Welche Akteur:innen und Projekte gibt es in der vielfältigen Landschaft der Senior:innenarbeit eigentlich – und was zeichnet ihr Gelingen aus?
Mit diesen und weiteren Fragen sehen sich Akteur:innen und Projekte aus der Senior:innenarbeit regelmäßig konfrontiert – ob in der Anpassung bzw. Neuausrichtung einzelner Angebote oder in der alltäglichen Arbeit. Gerade im Wirkungsbereich der Altenhilfe (§71 SGB XII) orientiert sich die Senior:innenarbeit an den individuellen Bedarfen vor Ort – nicht selten mit kreativen Antworten auf herausfordernde Fragen. Oft zeigt sich im überregionalen Austausch, dass die Bedarfe gar nicht so unterschiedlich sind – jedoch fehlt es an Wissen und Sichtbarkeit über bereits erfolgreiche Lösungen. Hier setzt die Beitragsreihe „Praxis:Nah“ des Forum Seniorenarbeit NRW seit Januar 2025 an. In regelmäßigen Abständen teilen wir die gelungene Arbeit von Akteur:innen und Projekten der Senior:innenarbeit auf unserer Website mit Bezug zu unseren thematischen Schwerpunkten. Grundlage der Beiträge stellt ein zuvor konzipierter Steckbrief dar, den Akteur:innen und Projekte selbst ausfüllen – anschließend wird alles zu einem Beitrag zusammengeführt. Vereinzelt führen wir mit Akteur:innen auch ein ausführliches Gespräch und machen ihre individuellen Erfahrungen und Perspektiven für die Zukunft in der Beitragsreihe „Im Gespräch“ sichtbar.
Gütekriterien: Ab wann ist’s gelungen?
Ob, wie und ab wann Senior:innenarbeit als „gelungen“ gilt, ist kontext- und akteur:innenabhängig und lässt sich nur aus mehreren Perspektiven beurteilen, insbesondere vor dem Hintergrund der jeweiligen Leitbilder. Als Orientierung haben Köster und Kolleg:innen (2008) zwölf „Qualitätsziele moderner Senior:innenarbeit und Altersbildung“ formuliert. Diese Qualitätsziele verstehen sich nicht als kumulative Checkliste, sondern als Reflexionsinstrumente zur Sicherung der Stimmigkeit von Angeboten und Leistungen mit dem eigenen Leitbild. Sie dienen dazu, Ziele, Vorgehensweisen und Ausrichtungen der Arbeit prozessual zu überprüfen und vor dem Hintergrund sich wandelnder Bedarfe und Zielgruppen zu begründen. Akteur:innen nutzen die Qualitätsziele entsprechend, um zu klären, was für ihr jeweiliges Angebot sinnvoll, möglich und leitbildkonform ist.
Die Qualitätsziele sind in drei Qualitätszieldimensionen eingebettet:
- Zugangsqualität,
- Durchführungsqualität
- Transferqualität
Bei der Zugangsqualität dienen die dazugehörigen Reflexionsfragen dazu, Anregungen zu geben, wie der Zugang zu Angeboten der Akteur:innen verbessert werden kann – zum Beispiel, wie neue Mitstreiter:innen gewonnen oder gezielt bestimmte Gruppen, wie ältere Menschen, erreicht werden können. Die Qualitätsziele und Reflexionsfragen der Durchführungsqualität fokussieren sich darauf, wie Angebote für und mit älteren Menschen in der praktischen Umsetzung verbessert werden können. Dabei geht es u.a. darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es älteren Menschen ermöglicht, selbstbestimmt zu lernen und sich aktiv einzubringen. Im Rahmen der Transferqualität wird der Blick auf die Nutzung und Anwendung des in den Angeboten erworbenen Wissens gelegt. Hier steht die Frage im Mittelpunkt, wie Erkenntnisse und Erfahrungen praktisch umgesetzt werden können, um einen Mehrwert für die Zielgruppe zu erzielen. Gute Angebote eröffnen demnach Möglichkeiten, gesellschaftlich relevante Themen aufzugreifen sowie Handlungsspielräume zu nutzen und zu erweitern.
In Anlehnung an die Reflexionsfragen haben wir die Qualitätsziele als Statements formuliert, die im Anschluss des Praxis:Nah Beitrags, angepasst an Akteur:in und Projekt, aufgeführt werden:
Zugangsqualität
QZ 1: Die Vielfalt des Alter(n)s wird in der Ansprachestrategie differenziert betrachtet.
QZ2: Milieu- und geschlechtsspezifische Unterschiede werden berücksichtigt.
QZ3: Individuelle Bedürfnis-, Interessen- und Ressourcenorientierung an den Engagierten.
QZ4: Es besteht eine grundsätzliche Offenheit gegenüber neuen Themen, Ideen und Konzepten.
QZ5: Transparenz, Sichtbarkeit und Vernetzung mit anderen Akteur:innen im Feld.
Durchführungsqualität
QZ6: Ein verlässlicher Etablierungsrahmen besteht.
QZ7: Diversifizierte Expertisen und Kompetenzen kommen zusammen und Qualifizierungsmöglichkeiten und Gewinn individueller Mehrwerte werden ermöglicht.
QZ8: Lernherausforderungen sowie biographie- und beziehungsorientierte Persönlichkeitsentwicklung werden ermöglicht.
QZ9: Kontakt- und Gemeinschaftsförderung sowie -etablierung werden gefördert.
QZ10: Prozesse und Strukturen erfolgen partizipativ (Informations-, Mitwirkungs- und Mitentscheidungsstrukturen).
Transferqualität
QZ11: Ermöglichungsstrukturen für freiwilliges Engagement und Multiplikation bestehen.
QZ12: Kompetenz- und ressourcenorientierte Selbstorganisation wird gefördert (Maßnahmen und Projekte ggf. über Projektrahmen hinaus).
Teilen Sie Ihre Arbeit mit uns!
Haben Sie in Ihrer Arbeit mit und für Senior:innen ein Projekt umgesetzt, das gut funktioniert, eine Idee erprobt, die andere in Ihrer Arbeit mit und für ältere Menschen bereichern kann? Dann laden wir Sie herzlich ein, Ihr Praxisbeispiel mit uns zu teilen und hier gebündelt sichtbar zu machen.
Reichen Sie gerne Ihr Beispiel über unser Online-Formular oder anhand des ausgefüllten Steckbriefs per E-Mail unter info@forum-seniorenarbeit.de ein. Wir nehmen Sie in unserer Datenbank auf und veröffentlichen ausgewählte Beiträge auf unserer Website, um andere Akteur:innen zu inspirieren und wertvolle Impulse für die Senior:innenarbeit weiterzugeben.
- Online-Formular zur Einreichung Ihres Praxisbeispiels
- Steckbrief für Ihr Praxisbeispiel
- E-Mail Forum Seniorenarbeit NRW
Bereits veröffentlichte Beiträge können Sie unter u.s. Link nachlesen:
Literaturhinweise
Köster, D., Schramek, R. & S. Dorn, 2008: Qualitätsziele moderner SeniorInnenarbeit und Altersbildung. Oberhausen: ATHENA.
Letzte Aktualisierung: 9. Februar 2026
