Der Sommer neigt sich langsam dem Ende zu – doch die vergangenen Hitzetage haben erneut gezeigt, dass hohe Temperaturen auch in Nordrhein-Westfalen eine gesundheitliche Herausforderung darstellen. Gerade für ältere Menschen kann anhaltende Hitze belastend und im Einzelfall gefährlich werden. Hitzeschutz ist deshalb nicht nur eine Frage des individuellen Verhaltens, sondern auch eine Aufgabe für das soziale Umfeld und die kommunale Infrastruktur.
Mit zunehmendem Alter kann sich der Körper weniger gut an hohe Temperaturen anpassen. Die Fähigkeit zur Temperaturregulation nimmt ab, ebenso das Wärmeempfinden und das Durstgefühl (Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz NRW o.J.). Dadurch besteht insbesondere die Gefahr, dass zu wenig getrunken wird und der Körper schneller Flüssigkeit verliert. Auch eingeschränkte Mobilität, Vorerkrankungen oder die Einnahme bestimmter Medikamente können können die Anpassungsfähigkeit bei Hitze erschweren. Das Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz Nordrhein-Westfalen (LfGA NRW) zählt ältere Menschen daher zu den besonders hitzegefährdeten Personengruppen. Einen direkten und regelmäßigen Zugang zu älteren Menschen haben haupt- und ehrenamtliche Akteur:innen in der Senior:innenarbeit. So können sie z.B. über Hitzewarnungen informieren, Trinkangebote schaffen, Aktivitäten anpassen oder Kontakt zu alleinlebenden Menschen in längeren heißen Phasen halten.
Durch das nachlassende Durstgefühl im Alter ist gerade das Trinken besonders wichtig. Wie sich eine solche Botschaft auch auf unterhaltsame Weise vermitteln lässt, zeigt ein Projekt des Seniorenbeirats Recklinghausen gemeinsam mit der Kölner Band Klabes: Im Rahmen des „Hitzeaktionsplans für Menschen im Alter“ hat die Band den Song „Drinke“ veröffentlicht. Gemeinsam mit den Mitgliedern des Seniorenbeirats Recklinghausen als Darsteller:innen im Musikvideo ist nun auch eine hochdeutsche Version des Songs „Trinken“ entstanden. Mit Musik und Humor wird darin auf die Bedeutung des regelmäßigen Trinkens bei Hitze aufmerksam gemacht. Darüber hinaus erreichen Informationen zu Hitze ältere alleinstehende Menschen seit vergangenem Juni über das Hitzetelefon des Seniorenbeirates Recklinghausen. Im Falle einer Hitzewarnung werden gefährdete Personen, die zuvor eingewilligt haben, angerufen und mit Tipps zu versorgt.
Hier wird deutlich, was das Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz Nordrhein-Westfalen bereits betont: Hitzeschutz kann nicht allein Aufgabe des Öffentlichen Gesundheitsdienstes sein. Unterschiedliche Akteur:innen aus Gesundheitswesen, Pflege, sozialen Einrichtungen, Kommunalverwaltung, Vereine, Nachbarschaftsinitiativen und weitere Organisationen in den Kommunen können dazu beitragen, gefährdete Menschen zu erreichen und Schutzmaßnahmen im Alltag zu verankern. Vor diesem Hintergrund nimmt die Bedeutung einer strategischen Verankerung von Hitzeschutz zu. Für die kommunale Arbeit hat die Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V. (HAGE) im vergangenen Juni eine Argumentationshilfe für einen Hitzeschutzplan veröffentlicht. Die Broschüre listet acht gute Gründe für einen Hitzeschutzplan auf, die z.B. die Dimensionen Chancengleichheit, Lebensqualität und Gemeinschaft argumentativ hervorheben.
Die Zeit nach dem Sommer bietet Gelegenheit, aus den Erfahrungen zu lernen: Welche Menschen konnten gut erreicht werden? Welche Angebote haben sich bewährt? Wo gibt es im Quartier kühle Orte? Hitzeschutz kann so zu einem festen Bestandteil einer gesundheitsfördernden und sorgenden Senior:innenarbeit werden – und kreative Beispiele wie der Song „Trinken“ zeigen, dass neben Informationsmaterial in Textform auch ein Musikvideo dazu beitragen kann, eine wichtige Botschaft im Gedächtnis zu verankern.
Weiterführende Informationen finden Sie unter u.s. Links:
- Infoportal Hitze und Gesundheit (LfGA NRW)
- Hitzeschutz in Kommunen: Ältere Menschen (LfGA NRW)
- „Trinken“ – Musikvideo von Klabes mit dem Seniorenbeirat Recklinghausen
- Argumentationshilfe: „8 gute Gründe für einen kommunalen Hitzeaktionsplan“ (HAGE e.V.)
- Hitze-Ratgeber in Leichter Sprache (Umwelt-Bundes-Amt und Stadt Arnsberg)
- Pflege von Angehörigen bei Hitze: Was muss ich beachten? (Verbraucherzentrale NRW)
Quelle Beitragsbild: © Africa Images über Canva.
Letzte Aktualisierung: 28. August 2026