Praxis:Nah 04/2026 – Einblick in gelingende Senior:innenarbeit
Sucht kennt kein Alter. Deshalb muss auch Hilfe im Alter selbstverständlich erreichbar sein.
– N.N., zur Verfügung gestellt durch das Diakonische Werk Köln und Region 2026
Die Fachstelle „Suchthilfe 60plus“ richtet sich an Menschen ab 60 Jahren in Köln, die aufgrund von Isolation, eingeschränkter Mobilität oder fehlender Kenntnis bestehender Hilfsangebote von der regulären Suchthilfe häufig nicht erreicht werden. Ziel ist es, die Versorgungslücke für ältere Menschen mit riskantem oder abhängigem Konsum von Alkohol, Medikamenten und anderen Suchtmitteln zu schließen. Das Angebot umfasst aufsuchende Beratung, individuelle Bedarfsanalysen, Gruppenangebote sowie die Einbindung von Angehörigen. Ergänzend werden Fachkräfte, ehrenamtliche Helfer und Einrichtungen der Altenhilfe geschult und miteinander vernetzt, um eine frühzeitige Unterstützung und eine nachhaltige Versorgung sicherzustellen.
Zu den Gelingensfaktoren gehören die Spezialisierung auf die Bedürfnisse älterer Menschen, die aufsuchende Beratung in der eigenen Häuslichkeit, der niedrigschwellige Zugang ohne Abstinenzdruck und mit individueller Zielvereinbarung sowie die enge Zusammenarbeit zwischen Suchthilfe, Altenhilfe, Pflege, Hausärzten, Krankenhäusern, Kirchengemeinden und weiteren zentralen Akteur:innen vor Ort. Zudem erweisen sich die Schulung und Sensibilisierung von Fachkräften und ehrenamtlichen Helfer:innen zur frühzeitigen Erkennung von Suchtproblemen im Alter, die kontinuierliche Evaluation sowie die bedarfsorientierte Weiterentwicklung des Angebots als weitere ermöglichende Faktoren.
Um diese Angebote zu verwirklichen, wird eine Fachkraftstelle für Koordination, Netzwerkarbeit, Multiplikator:innenschulungen sowie Beratung und aufsuchende Arbeit eingesetzt, die über eine qualifizierte Fachkompetenz in der Sozialarbeit und der Suchttherapie verfügt. Finanziell wird das Projekt über das Deutsche Hilfswerk und Eigenmittel des Trägers, dem Diakonischen Werk Köln und Region, finanziert. Kooperationen bestehen darüber hinaus mit Senior:innenberatungsstellen, ambulanten Pflegediensten, Hausarztpraxen, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Kirchengemeinden und weiteren Einrichtungen der Alten- und Suchthilfe. Außerdem stehen dem Projekt Beratungsräume, Informationsmaterialein sowie personelle Ressourcen für Hausbesuche, Gruppenangebote, Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit zur Verfügung.
Mit diesen Mitteln kann das Projekt dazu beitragen, die Versorgungslücke älterer Menschen mit Suchtproblemen vor Ort in Köln zu schließen. Insbesondere durch die aufsuchende Beratung kann frühzeitig unterstützt und mit bestehenden Hilfsangeboten vernetzt werden, um gesundheitliche und soziale Folgen so gering wie möglich zu halten, Lebensqualität Betroffener zu verbessern und Angehörige zu entlasten. Gleichzeitig stärkt das Projekt die Zusammenarbeit zwischen Suchthilfe, Altenhilfe und Gesundheitswesen und fördert dadurch eine nachhaltige und umfassende Versorgung im Sinne des Grundsatzes „ambulant vor stationär“.
Die Fachkräfte der Projektstelle übernehmen dafür die (aufsuchende) Beratung und die Durchführung von Schulungen für Fachkräfte, ehrenamtliche Helfer:innen und weitere Multiplikator:innen. Durch die Qualifizierung und Vernetzung mit den Kooperationspartner:innen werden geschulte Personen befähigt, Suchtprobleme im Alter frühzeitig zu erkennen, Betroffene aktiv anzusprechen und gezielt an die Fachstelle oder weiterführende Hilfsangebote zu vermitteln. Dadurch wird das Thema Sucht im Alter auch in bestehenden Strukturen der Alten- und Gesundheitshilfe verankert.
Konkrete Umsetzungsschritte lassen sich dabei gliedern in:
- Die Vorbereitung: Aufbau und Pflege eines Netzwerkes mit Einrichtungen der Alten- und Suchthilfe, Entwicklung von Informations- und Schulungsangeboten sowie Bekanntmachung der Fachstelle.
- Die Durchführung: Aufsuchende und ambulante Beratung älterer Menschen, individuelle Bedarfsanalyse, Gruppenangebote, Schulungen für Fachkräfte und ehrenamtliche Helfer:innen sowie Vermittlung zu bestehenden Hilfsangeboten.
- Die Nachbereitung: Dokumentation der Beratungen und Maßnahmen, regelmäßige Evaluation der Projektziele sowie kontinuierliche Weiterentwicklung des Angebots anhand der gewonnenen Erkenntnisse.
Dennoch ist das Konzept auf andere Kommunen und Regionen übertragbar, insbesondere dort, wo ältere Menschen bislang nur unzureichend durch die Suchthilfe erreicht werden. Voraussetzung sind eine enge Vernetzung mit den lokalen Akteur:innen der Alten- und Gesundheitshilfe sowie ein niedrigschwelliger, aufsuchender Beratungsansatz. Multiplikator:innenschulungen und regionale Kooperationen können dabei an die Bedarfe vor Ort angepasst werden.
Erfahrungen zeigen, dass eine frühzeitige Vernetzung mit Akteur:innen der Alten-, Gesundheits- und Suchthilfe sowie eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit entscheidend sind, um die Zielgruppe erfolgreich zu erreichen. Niedrigschwellige und aufsuchende Angebote erleichtern dabei den Zugang und fördern die Inanspruchnahme von Unterstützung. Als empfehlenswert erweisen sich zudem kontinuierliche Schulungen für Fachkräfte und ehrenamtliche Helfer:innen sowie regelmäßige Evaluation, um eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung des Angebots sicherzustellen.
Weitere Informationen zum Projekt erhalten Sie bei der Fachstelle „Suchthilfe 60plus“ des Diakonischen Werks Köln und Region unter u.s. Link. Dort erhalten Betroffene, Angehörige, Fachkräfte und Interessierte Informationen zum Beratungsangebot, Schulungen und Kooperationsmöglichkeiten.
Kontakt und weitere Informationen
Diakonisches Werk Köln und Region gGmbH
Ansprechpartner:in: Daniel Pfeiffer und Tatjana Strobel
Telefon: 0221 160 38 88 (Hr. Pfeiffer) bzw. 0176 15834180 (Fr. Strobel)
E-Mail: daniel.pfeiffer@diakonie-koeln.de; tatjana.strobel@diakonie-koeln.de
Internet: www.diakonie-koeln.de/angebote/suchthilfe-60plus
Kriterien für gelungene Praxis – Zugang, Durchführung und Transfer
Wie die Angebote und Leistungen im Wirkungsbereich der Arbeit mit und für ältere Menschen in Deutschland erweisen sich auch die Kriterien für gelungene Praxis als vielfältig. Sowohl für bereits langjährig tätige Akteur:innen als auch Neueinsteiger:innen haben Köster et al. (2008) in diesem Sinne 12 Qualitätsziele (QZ) formuliert, eingebettet in die drei Qualitätszieldimensionen: Zugangs-, Durchführungs- und Transferqualität, die Akteur:innen in ihrer Arbeit eine Orientierung bieten.
Im Rahmen des Zugangs fragen die zugehörigen QZ nach der Ausarbeitung einer zielgruppenspezifischen und gegenüber Lebenslagen sensiblen Ansprachestrategie für ein Angebot oder eine Leistung von Akteur:innen. In der Dimension Durchführung werden anschließend Fragen nach Selbstbestimmung und Mehrwert für Angebotswahrnehmende und dessen nachhaltige Sicherung gestellt. Im Transfer geht es dann darum, Gelerntes aus der Anwendungsfähigkeit und -praxis sowie den Nutzen zu reflektieren.
Die einzelnen Qualitätsziele dienen dabei als Instrumente, um das individuelle Leitbild der Akteur:innen zu sichern. Aus diesem Grund gilt auch nicht „Je mehr, desto besser“. Qualitätsziele dienen dazu, eine Stimmigkeit und Begründetheit der Angebote und Leistungen mit dem Leitbild der Akteur:innen prozessual (wieder-)herzustellen. Akteur:innen stellen sich im Rahmen der Qualitätsziele also Relfexionsfragen, was für ihr jeweiliges Angebot oder ihre Leistung vor dem Hintergrund des Leitbildes Sinn ergibt und möglich ist.
Zugangsqualität
- Die Vielfalt des Alter(n)s wird in der Ansprachestrategie differenziert berücksichtigt
- Transparenz, Sichtbarkeit und Vernetzung mit anderen Akteur:innen im Feld
Durchführungsqualität
- Ein verlässlicher Etablierungsrahmen besteht
- Diversifizierte Expertisen und Kompetenzen kommen zusammen
- Qualifizierungsmöglichkeiten und Gewinn individueller Mehrwerte werden ermöglicht
- Lernherausforderungen sowie biographie- und beziehungsorientierte Persönlichkeitsentwicklung werden ermöglicht
Transferqualität
- Ermöglichungsstrukturen für freiwilliges Engagement und Multiplikation bestehen
Literaturhinweise
Köster, D., Schramek, R. & S. Dorn, 2008: Qualitätsziele moderner SeniorInnenarbeit und Altersbildung. Oberhausen: ATHENA.
Quelle Beitragsbild: © AndreyPopov von Getty Images über Canva


