Gemeinsam in den Austausch kommen, Perspektiven zusammenführen und Impulse für die Gestaltung einer alter(n)sfreundlichen Stadt setzen – darum geht es Netzwerktag des Forum Seniorenarbeit NRW am 03. September 2026 in Gelsenkirchen.
Den Auftakt gestaltete Thorsten Mehnert (aktuelle Projektleitung im Forum Seniorenarbeit NRW) mit der Begrüßung und Einführung. Anschließend hießen Manfred Leichtweis (1. Bürgermeister der Stadt Gelsenkirchen) und Staatssekretär Matthias Heidmeier aus dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen die Teilnehmenden mit ihren Grußworten willkommen.
Damit wurden zu Beginn kommunale und landespolitische Perspektiven auf das Thema skizziert. Einen weiteren inhaltlichen Impuls setzte Dr. Alexia Zurkuhlen (Vorständin des Kuratoriums Deutsche Altershilfe e. V. und Geschäftsführerin der KDA gGmbH). Mit der Position des Kuratoriums Deutsche Altershilfe eröffnete sie den Blick auf aktuelle Herausforderungen und notwendige Entwicklungen in der Arbeit für und mit älteren Menschen und gab damit wichtige Anstöße für die anschließende gemeinsame Auseinandersetzung.
Keynote: Age-friendly Cities – kein abstraktes Konzept, sondern konkreter Wegweiser zu einer Stadt für alle
Im Rahmen des Netzwerktages des Forum Seniorenarbeit NRW stellte Prof. Dr. Christoph Strünck von der Universität Siegen das Konzept der „Age-friendly Cities“ vor und zeigte auf, wie altersgerechte Stadtentwicklung konkret umgesetzt werden kann. Im Mittelpunkt stand dabei die Perspektive, dass Altersfreundlichkeit weit über Barrierefreiheit und Pflege hinausgeht. Eine altersgerechte Stadt verbindet bauliche, soziale, gesundheitliche und digitale Zugänglichkeit und schafft Rahmenbedingungen dafür, dass Menschen selbstbestimmt, mobil, sicher und sozial eingebunden in ihrem vertrauten Umfeld älter werden können.
Ausgehend vom WHO-Modell wurden acht zentrale Handlungsfelder vorgestellt: öffentlicher Raum und Gebäude, Mobilität, Wohnen, soziale Teilhabe, Respekt und Inklusion, Engagement und Beschäftigung, Information und Kommunikation sowie Gesundheit und Pflege. Dabei wurde insbesondere betont, dass nicht einzelne Maßnahmen, sondern die Gestaltung von Quartieren und Sozialräumen entscheidend ist.
Am Beispiel der Mobilität wurde verdeutlicht, wie kleine infrastrukturelle Bedingungen die Selbstständigkeit älterer Menschen beeinflussen können. Kurze, sichere und gut zugängliche Wege, längere Grünphasen in der Ampelschaltung für Fußgänger:innen, ein niedrigschwelliger öffentlicher Nahverkehr sowie alternative Mobilitätsangebote tragen dazu bei, wichtige Orte des Alltags wie Einkaufsmöglichkeiten, Arztpraxen und Treffpunkte erreichbar zu halten.
Für die praktische Umsetzung skizzierte Strünck einen zwölfmonatigen Prozess auf Quartiersebene: vom Zuhören und der gemeinsamen Erkundung des Stadtteils über die Priorisierung von Problemen bis hin zu kleinen Pilotprojekten und deren anschließender Evaluation. Sichtbare Verbesserungen können dabei Vertrauen schaffen, Kooperationen fördern und den Weg für dauerhafte Strukturen ebnen.
Als zentralen Erfolgsfaktor hob der Vortrag die Beteiligung älterer Menschen hervor. Sie sollten nicht lediglich nach ihren Bedürfnissen gefragt werden, sondern als Wissens- und Erfahrungsträger aktiv an der Gestaltung ihres Lebensumfelds mitwirken und möglichst auch mitentscheiden und Mitverantwortung übernehmen.
Zum Abschluss verdichtete Strünck die Überlegungen in fünf Leitsätzen für die Praxis:
- Quartier statt Einzelprojekt, Beteiligung statt Fürsorge,
- Querschnitt statt Fachamt,
- Pilotieren statt Abwarten und
- Verankern statt Versanden.
Damit wurde deutlich: Altersfreundliche Stadtentwicklung ist weniger als isoliertes Fachkonzept zu verstehen, sondern als Ansatz für eine inklusive Stadtentwicklung, von der Menschen unterschiedlichen Alters profitieren können.