EFI-Erfahrungswissen für Initiativen Bielefeld e.V.

Praxis:Nah 01/2026 – Einblick in gelingende Senior:innenarbeit


Ältere Menschen sind Mitgestaltende. Ihre Perspektiven gehören in die Mitte der gesellschaftlichen Entwicklung.

 

N.N., zur Verfügung gestellt durch den Erfahrungswissen für Initiativen Bielefeld e.V.

EFI – Erfahrungswissen für Initiativen Bielefeld e.V. richtet sich an Menschen in der nachberuflichen Lebensphase, die sich gesellschaftlich einbringen und neue Herausforderungen annehmen möchten. Im Rahmen einer achttägigen Fortbildung zur seniorTrainer:in, die in drei Qualifizierungsblöcke gegliedert ist und mit einem Zertifikat abschließt, erhalten Interessierte die Möglichkeit, eine sinnstiftende Aufgabe für ihre berufsfreie Zeit zu finden. Dabei greifen sie auf ihren eigenen Erfahrungsschatz, ihre Interessen und Talente zurück.

Nach Abschluss der Qualifizierung werden die Teilnehmenden Teil des EFI-Netzwerks. Einmal im Monat treffen sich alle Absolvent:innen zum Erfahrungsaustausch, zur Information über neue soziale und kulturelle Projekte sowie zu gesellschaftlichen Themen, die für das Engagement relevant sind. Diese lebendige Austauschstruktur, die enge Kooperation mit der Diakonie für Bielefeld und das bewährte Schulungskonzept bilden zentrale Gelingensfaktoren des Projekts. Das Engagement der seniorTrainer:innen trägt wesentlich dazu bei, dass lokale Initiativen unterstützt, neue Projekte entwickelt und nachhaltige Impulse für das Gemeinwesen gesetzt werden.

Aktuell begleitet EFI Bielefeld 37 Projekte in verschiedenen gesellschaftlich wichtigen Bereichen – darunter Jugend- und Altenhilfe, Kultur, Tierschutz, Umwelt- und Bildungsarbeit sowie die Unterstützung von Geflüchteten. Darüber hinaus verfügt der Verein über eine tragfähige Struktur mit Sponsoring und aktiver Öffentlichkeitsarbeit, die das kontinuierliche Engagement ermöglicht. Die Engagierten können nach ihren eigenen Interessen und Stärken Projekte initiieren oder bestehende Initiativen unterstützen. Im Mittelpunkt stehen der Austausch von Ideen, gemeinsamer Dialog und die aktive Mitgestaltung eines selbstbestimmten, zufriedenen Älterwerdens. Das Engagement erfolgt dabei freiwillig und selbstbestimmt und zeigt, welche Potenziale im aktiven Alter liegen.

Konsequent wird die Vielfalt des Alter(n)s sichtbar gemacht: seniorTrainer:innen sind unter anderem in Bildung, Kultur, Sozialem, Umwelt, Sport und Gesundheit tätig. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist die pädagogische Begleitung durch zwei ausgebildete hauptamtliche Fachkräfte sowie die durch sie unterstützte Netzwerkarbeit. Ihre Finanzierung stellt jedoch eine Herausforderung dar und wird überwiegend durch Spenden getragen. Durch die aktive Mitwirkung älterer Menschen entsteht ein positives soziales Klima in Bielefeld. Stadtteile und Nachbarschaften werden so zu lebenswerten Orten für Begegnung und gemeinschaftliches Wirken.

Kontakt und weitere Informationen

EFI – Erfahrungswissen für Initiativen Bielefeld e.V.
c/o Bernadette Bueren Soltkamp 10
33604 Bielefeld
Tel.: +49 521 98892 783
Web: https://www.efi-bielefeld.de/

Kriterien für gelungene Praxis – Zugang, Durchführung und Transfer

Eigene Darstellung nach Vorlage (Köster et al. 2008).

Wie die Angebote und Leistungen im Wirkungsbereich der Arbeit mit und für ältere Menschen in Deutschland erweisen sich auch die Kriterien für gelungene Praxis als vielfältig. Sowohl für bereits langjährig tätige Akteur:innen als auch Neueinsteiger:innen haben Köster und Kolleg:innen (2008) in diesem Sinne 12 Qualitätsziele (QZ) formuliert, eingebettet in die drei Qualitätszieldimensionen: Zugangs-, Durchführungs- und Transferqualität, die Akteur:innen in ihrer Arbeit eine Orientierung bieten. 

Im Rahmen des Zugangs fragen die zugehörigen QZ nach der Ausarbeitung einer zielgruppenspezifischen und gegenüber Lebenslagen sensiblen Ansprachestrategie für ein Angebot oder eine Leistung von Akteur:innen. In der Dimension Durchführung werden anschließend Fragen nach Selbstbestimmung und Mehrwert für Angebotswahrnehmende und dessen nachhaltige Sicherung gestellt. Im Transfer geht es dann darum, Gelerntes aus der Anwendungsfähigkeit und -praxis sowie den Nutzen zu reflektieren. 

Die einzelnen Qualitätsziele dienen dabei als Instrumente, um das individuelle Leitbild der Akteur:innen zu sichern. Aus diesem Grund gilt auch nicht „Je mehr, desto besser“. Qualitätsziele dienen dazu, eine Stimmigkeit und Begründetheit der Angebote und Leistungen mit dem Leitbild der Akteur:innen prozessual (wieder-)herzustellen. Akteur:innen stellen sich im Rahmen der Qualitätsziele also Relfexionsfragen, was für ihr jeweiliges Angebot oder ihre Leistung vor dem Hintergrund des Leitbildes Sinn ergibt und möglich ist. 

Zugangsqualität 

  • Die Vielfalt des Alter(n)s wird in der Ansprachestrategie differenziert berücksichtigt 
  • Milieu- und geschlechtsspezifische Unterschiede werden berücksichtigt 
  • Individuelle Bedürfnis-, Interessen- und Ressourcenorientierung an den Engagierten 
  • Es besteht eine grundsätzliche Offenheit gegenüber neuen Themen, Ideen und Konzepten  

Durchführungsqualität 

  • Ein verlässlicher Etablierungsrahmen besteht 
  • Qualifizierungsmöglichkeiten und Gewinn individueller Mehrwerte werden ermöglicht 
  • Lernherausforderungen sowie biographie- und beziehungsorientierte Persönlichkeitsentwicklung werden ermöglicht 
  • Kontakt- und Gemeinschaftsförderung sowie -etablierung werden gefördert 
  • Prozesse und Strukturen erfolgen partizipativ (Informations-, Mitwirkungs- und Mitentscheidungsstrukturen) 

Transferqualität 

  • Ermöglichungsstrukturen für freiwilliges Engagement und Multiplikation bestehen
  • Kompetenz- und ressourcenorientierte Selbstorganisation wird gefördert (Maßnahmen und Projekte, ggf. über Projektrahmen hinaus)

Literaturhinweise

Köster, D., Schramek, R. & S. Dorn, 2008: Qualitätsziele moderner SeniorInnenarbeit und Altersbildung. Oberhausen: ATHENA.

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