Wie kann freiwilliges Engagement im Vor- und Umfeld von Pflege so gestaltet werden, dass Unterstützung verlässlich, inklusiv und entlastend wirkt – ohne zu überfordern?
Diese zentrale Frage stand am 1. Dezember im Mittelpunkt des Fachtages „Caring Communities – Wer sorgt mit? Freiwilliges Engagement in der Kommune zwischen Pflege, Verantwortung und Vielfalt“ in Essen. Aufbauend auf Impulsen, Diskussionen und Praxisbeispielen liegt nun eine Ergebnisveröffentlichung vor, die zentrale Erkenntnisse bündelt und für die kommunale Praxis nutzbar macht.
Worum ging es beim Fachtag?
Der Begriff Caring Communities steht für die Idee, Sorge und Unterstützung als gemeinsame Aufgabe in Kommune und Sozialraum zu verstehen. Nachbarschaftliche Hilfe, freiwilliges Engagement, zivilgesellschaftliche Initiativen und professionelle Dienste greifen dabei ineinander. Damit Sorge gemeinschaftlich getragen werden kann, so wurde deutlich, braucht es:
- Klare Rahmenbedingungen
- Verlässliche Kooperationen
- Eine Sorgekultur, die Vielfalt und unterschiedliche Lebenslagen konsequent mitdenkt
Im Zentrum standen dabei Fragen wie:
- Welche Rolle können und sollten Kommunen übernehmen?
- Welche Unterstützungs- und Koordinationsstrukturen helfen, Engagement zu stärken?
- Wo liegen Potenziale – und auch Grenzen – freiwilligen Engagements im Kontext von Pflege?
- Wie gelingt Teilhabe, wenn Zugänge durch Barrieren erschwert werden?
Praxiswissen und Empfehlungen
Ausgehend vom Fachtag ist nun das Ergebnisdokument „Caring Communities – Wer sorgt mit? Freiwilliges Engagement in der Kommune zwischen Pflege, Verantwortung und Vielfalt. Praxiswissen und Empfehlungen“ erschienen.
Die Publikation richtet sich an Multiplikator:innen in Kommunen, Senior:innenarbeit, Engagementförderung, Quartiers- und Sozialraumentwicklung sowie an Akteur:innen aus Pflege- und Unterstützungsstrukturen. Sie bietet eine praxisorientierte Aufbereitung zentraler (Diskussions-)Beiträge und verdichtet Erkenntnisse zu Bedarfen, Gelingensfaktoren und kommunalen Stellschrauben.
Die Publikation führt durch zentrale Themenfelder des Fachtags und enthält unter anderem:
- Impulse und wissenschaftliche Einordnung
Zentrale Leitfragen und Schlaglichter aus Vorträgen und Austauschformaten sowie wissenschaftliche Perspektiven zeigen, wie sich Caring Communities entwickeln und welche Sorgestrukturen im Wandel relevant sind.
- Praxis, Engagement und Kooperation
Praxisbeispiele illustrieren, wie Engagement im Vor- und Umfeld von Pflege gefördert werden kann, wie Kooperation und Koordination gelingen und welche Potenziale, Grenzen und Schutzmaßnahmen für freiwilliges Engagement wichtig sind. Freiwilliges Engagement kann entlasten und Brücken bauen – vorausgesetzt, Rollen sind transparent, Aufgaben realistisch und Unterstützung sowie Ansprechstrukturen vorhanden. Eine sorgende Gemeinschaft funktioniert nicht über „Mehr tun“, sondern über gute Rahmung und Kooperation.
- Vielfalt, Teilhabe und Rahmenbedingungen
Strategien und Empfehlungen verdeutlichen, wie Barrieren abgebaut, Teilhabe ermöglicht und Angebote an unterschiedliche Lebensrealitäten angepasst werden können – für eine nachhaltige und inklusive Umsetzung vor Ort. Caring Communities entstehen nicht zufällig. Sie brauchen Koordination, verlässliche Schnittstellen zwischen Zivilgesellschaft und professionellen Angeboten, geeignete Orte und Infrastruktur sowie eine Anerkennungskultur. Kommunen können hier moderieren, vernetzen und langfristige Stabilität ermöglichen. Teilhabe gelingt nur, wenn Barrieren systematisch in den Blick genommen werden – etwa sprachliche, finanzielle, räumliche, digitale oder diskriminierende Hürden. Vielfaltssensible Gestaltung bedeutet: Zugänge öffnen, unterschiedliche Ressourcen anerkennen und Angebote an Lebensrealitäten ausrichten.
Das Ergebnisdokument kann zur Orientierung in kommunalen Planungsprozessen – z. B. in Sozial- und Pflegeplanung, Quartiersarbeit, Engagementförderung oder Netzwerkentwicklung dienen und zur Vorbereitung und Strukturierung von Austauschrunden, Strategieworkshops oder Kooperationsvereinbarungen genutzt werden.