Praxis:Nah 03/2026 – Einblick in gelingende Senior:innenarbeit
Das Projekt #WEGEweisend – abgesichert & eingebunden ins Alter setzt in Bochum neue Impulse für soziale Teilhabe, Engagementförderung und die Verbesserung der Lebens- und Einkommenssituation älterer Menschen. Durch die Qualifizierung ehrenamtlicher Stadtteillots:innen entsteht ein niedrigschwelliges, quartiersnahes Unterstützungsangebot, das ältere Menschen informiert, stärkt und ihnen Wege zu passenden Angeboten, Hilfestrukturen und Begegnungsorten eröffnet.
Entstanden aus der Idee, ältere Menschen gezielt zu unterstützen, adressiert #WEGEweisend zentrale Herausforderungen des Alter(n)s wie finanzielle Unsicherheiten, Einsamkeit und fehlende Zugänge zu Teilhabeorten. Die Bochumer Seniorenbüros, die Stadt Bochum und die jüdische Gemeinde arbeiten dabei eng zusammen. Gefördert wird das Projekt im Rahmen des Bundesprogramms „Stärkung der Teilhabe älterer Menschen – gegen Einsamkeit und soziale Isolation“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus). In fünf der sechs Bochumer Seniorenbüros sind fünf Projektmitarbeiterinnen sowie eine Projektkoordination tätig, die Qualifizierungen entwickeln, Engagierte begleiten und die Lots:innen in ihren Stadtteilen unterstützen. Zentral ist dabei, ältere Menschen nicht nur zu beraten, sondern sie aktiv als Vermittler:innen, Multiplikator:innen und Impulsgeber:innen im Sozialraum einzubinden.
Nach einer strukturierten Qualifizierung übernehmen die ehrenamtlichen Lots:innen vielfältige Aufgaben. Sie fungieren als Vermittler:innen zwischen Hilfesuchenden und Institutionen, Vereinen oder Beratungsstrukturen und machen ältere Menschen auf Angebote aufmerksam, die Teilhabe erleichtern – von Freizeitaktivitäten über ehrenamtliches Engagement bis zu Informationen rund um finanzielle Absicherung im Alter. Über 30 Stadtteillots:innen konnten bisher qualifiziert werden. Als Türöffner:innen im Quartier verfügen sie über Zugänge zu unterschiedlichen Communities, geben niedrigschwellige Erstinformationen zu Teilhabeorten und initiieren in vielen Stadtteilen kostenlose Angebote wie Aktivitätentandems, Stadtteilfrühstücke oder Informationsformate. Bei weitergehendem Bedarf vermitteln sie an die hauptamtliche Beratung der Seniorenbüros. So stärkt #WEGEweisend nicht nur Einzelpersonen, sondern baut mittelfristig auch tragfähige und verlässliche Unterstützungsstrukturen im Sozialraum auf.
Die Lots:innen sind das Herzstück des Projekts. Sie entwickeln eigene Angebote, bringen kreative Ideen aus ihrem Alltag ein, sind Ansprechpersonen in den Stadtteilen und vermitteln zwischen Menschen und Einrichtungen. Als multiplikative Türöffner:innen erreichen sie auch schwer zugängliche Zielgruppen und geben durch Reflexion der Qualifizierungsmodule wichtige Impulse für deren Weiterentwicklung. Durch diese aktive Mitgestaltung wird Partizipation gelebte Realität. Gleichzeitig erfahren die Engagierten Anerkennung, Zugehörigkeit und Selbstwirksamkeit. Das Gelingen des Projekts beruht auf mehreren ineinandergreifenden Faktoren: Hauptamtliche Begleitung in den Seniorenbüros von der Gewinnung über die Schulung bis zur kontinuierlichen Unterstützung der Lots:innen, die Möglichkeit, eigene Projektideen einzubringen und fachliche sowie finanzielle Unterstützung zu erhalten, Bedarfsorientierung, gute Vernetzung im Stadtteil sowie die Anbindung an die Seniorenbüros, die Stabilität, Fachlichkeit und nachhaltige Strukturen sichern.
Das Projekt folgt einem klaren Ablauf, der Qualität und Kontinuität gewährleistet: von der Vorbereitung über die Entwicklung der Qualifizierungsmodule und Öffentlichkeitsarbeit, über die mehrmonatige Lotsenqualifikation mit mehreren Modulen und feierlicher Zertifikatsvergabe bis zur kontinuierlichen Nachbereitung mit Begleitung, Reflexions- und Austauschtreffen sowie der Entwicklung weiterer Module nach Bedarf. So entsteht eine nachhaltige Struktur, die auch über die Projektlaufzeit hinaus Bestand hat. Die Strukturen und Angebote von #WEGEweisend sind so gestaltet, dass sie auch nach Projektende erhalten bleiben können. Durch die fortlaufende Anbindung der Engagierten an die Seniorenbüros bleiben Lotsenfunktionen, Angebote und Kontakte bestehen. Damit zeigt #WEGEweisend, wie nachhaltige Teilhabeförderung langfristig Wirkung entfalten und niedrigschwellig an bestehende Strukturen der lokalen Senior:innenarbeit anknüpfen kann.
Kontakt und weitere Informationen
Sarah Kudella
Seniorenbüro Mitte
Mobil: 0151 57680723
E-Mail: sarah.kudella@diakonie-ruhr.de
Web: www.seniorenbuero-bochum.de/projekte/wegeweisend
Instagram: @wegeweisend
Kriterien für gelungene Praxis – Zugang, Durchführung und Transfer
Wie die Angebote und Leistungen im Wirkungsbereich der Arbeit mit und für ältere Menschen in Deutschland erweisen sich auch die Kriterien für gelungene Praxis als vielfältig. Sowohl für bereits langjährig tätige Akteur:innen als auch Neueinsteiger:innen haben Köster und Kolleg:innen (2008) in diesem Sinne 12 Qualitätsziele (QZ) formuliert, eingebettet in die drei Qualitätszieldimensionen: Zugangs-, Durchführungs- und Transferqualität, die Akteur:innen in ihrer Arbeit eine Orientierung bieten.
Im Rahmen des Zugangs fragen die zugehörigen QZ nach der Ausarbeitung einer zielgruppenspezifischen und gegenüber Lebenslagen sensiblen Ansprachestrategie für ein Angebot oder eine Leistung von Akteur:innen. In der Dimension Durchführung werden anschließend Fragen nach Selbstbestimmung und Mehrwert für Angebotswahrnehmende und dessen nachhaltige Sicherung gestellt. Im Transfer geht es dann darum, Gelerntes aus der Anwendungsfähigkeit und -praxis sowie den Nutzen zu reflektieren.
Die einzelnen Qualitätsziele dienen dabei als Instrumente, um das individuelle Leitbild der Akteur:innen zu sichern. Aus diesem Grund gilt auch nicht „Je mehr, desto besser“. Qualitätsziele dienen dazu, eine Stimmigkeit und Begründetheit der Angebote und Leistungen mit dem Leitbild der Akteur:innen prozessual (wieder-)herzustellen. Akteur:innen stellen sich im Rahmen der Qualitätsziele also Relfexionsfragen, was für ihr jeweiliges Angebot oder ihre Leistung vor dem Hintergrund des Leitbildes Sinn ergibt und möglich ist.
Zugangsqualität
- Die Vielfalt des Alter(n)s wird in der Ansprachestrategie differenziert berücksichtigt
- Milieu- und geschlechtsspezifische Unterschiede werden berücksichtigt
- Es besteht eine grundsätzliche Offenheit gegenüber neuen Themen, Ideen und Konzepten
- Transparenz, Sichtbarkeit und Vernetzung mit anderen Akteur:innen im Feld
Durchführungsqualität
- Ein verlässlicher Etablierungsrahmen besteht
- Diversifizierte Expertisen und Kompetenzen kommen zusammen
- Qualifizierungsmöglichkeiten und Gewinn individueller Mehrwerte werden ermöglicht
- Kontakt- und Gemeinschaftsförderung sowie -etablierung werden gefördert
- Prozesse und Strukturen erfolgen partizipativ (Informations-, Mitwirkungs- und Mitentscheidungsstrukturen)
Transferqualität
- Ermöglichungsstrukturen für freiwilliges Engagement und Multiplikation bestehen
- Kompetenz- und ressourcenorientierte Selbstorganisation wird gefördert (Maßnahmen und Projekte, ggf. über Projektrahmen hinaus)
Literaturhinweise
Köster, D., Schramek, R. & S. Dorn, 2008: Qualitätsziele moderner SeniorInnenarbeit und Altersbildung. Oberhausen: ATHENA.
(Quelle Beitragsbild: © Jan van der Wolf von Pexels über Canva)
