Am 14. April 2026 fand der digitale Fachtag „Werkzeuge für Sorgende Gemeinschaften – Vom Leitbild zur Praxis“ des Forum Seniorenarbeit NRW statt. Mit knapp 260 Teilnehmenden aus ganz Deutschland stieß die Veranstaltung auf großes Interesse und knüpfte an eine Reihe vorangegangener Formate an, die sich schrittweise dem Thema der sorgenden Gemeinschaften angenähert haben.
Caring Communities – oder sorgende Gemeinschaften – stehen für ein erweitertes Verständnis von Verantwortung und Sorge. Gemeint ist ein Zusammenspiel aus professionellen Angeboten, bürgerschaftlichem Engagement, nachbarschaftlicher Unterstützung und kommunalen Strukturen. Dieses Verständnis reagiert auf gesellschaftliche Veränderungen: auf den demographischen Wandel, auf neue Verantwortungskulturen, auf wachsende Ansprüche an Teilhabe sowie auf die zunehmende Bedeutung lokaler Gestaltungsspielräume. Sorgende Gemeinschaften werden vielerorts bereits als ein tragfähiger Ansatz gesehen, um diesen Entwicklungen zu begegnen.
Die Auseinandersetzung mit dem Thema erfolgt dabei nicht aus einer rein theoretischen Perspektive, sondern mit Bezug zu den Themenbereichen des Forum Seniorenarbeit NRW – mit einem besonderen Fokus auf Teilhabe, Vielfalt und Sozialraumorientierung. Im Zentrum steht die Frage, wie Engagement vor Ort ermöglicht, begleitet und weiterentwickelt werden kann. Denn sorgende Gemeinschaften entstehen nicht allein durch gute Absichten. Sie brauchen konkrete Orte, an denen Menschen Verantwortung teilen, und verlässliche Strukturen, die dieses Miteinander tragen.
Sorge, Teilhabe und Engagement sind dabei eng miteinander verbunden. Wer Teilhabe im Alter stärken will, muss auch die Gestaltung von Sorgebeziehungen und Unterstützungsstrukturen in den Blick nehmen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie Menschen sich einbringen können und welche Rolle freiwilliges Engagement dabei spielt. Engagement ist eine zentrale Ressource – aber keine, die sich von selbst trägt. Es braucht Anerkennung, Koordination, Qualifizierung und förderliche Rahmenbedingungen auf kommunaler Ebene. Die gezielte Förderung von Engagement ist daher ein zentraler Zugang zum Thema sorgende Gemeinschaften.
Die inhaltliche Einordnung des Fachtags
Der digitale Fachtag „Werkzeuge für sorgende Gemeinschaften – Vom Leitbild zur Praxis“ ist Teil eines kontinuierlichen inhaltlichen Prozesses im Forum Seniorenarbeit NRW. In mehreren aufeinander aufbauenden Formaten wurde das Thema Caring Communities aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und schrittweise vertieft.
Der Fachtag markiert dabei einen wichtigen Übergang: von der Verständigung über grundlegende Konzepte hin zur konkreten Umsetzung in der Praxis.
Warum sorgende Gemeinschaften im Fokus stehen
Im Zentrum der Auseinandersetzung steht die Frage, wie Sorge, Unterstützung und Teilhabe im Sozialraum gemeinsam gestaltet werden können. Caring Communities greifen zentrale Herausforderungen auf, die die Seniorenarbeit seit langem prägen:
- Wie kann soziale Teilhabe im Alter gestärkt werden?
- Wie können lebensnahe Unterstützungsstrukturen entstehen?
- Wie gelingt ein tragfähiges Zusammenspiel von Kommune, Zivilgesellschaft und professionellen Diensten?
Dabei wird Sorge zunehmend als gemeinschaftliche Aufgabe verstanden – getragen von vielfältigen Akteur:innen vor Ort und eingebettet in lokale Strukturen.
Schritt 1: Verständigung über das Leitbild
Der digitale Fachtag im August 2025 bildete den Ausgangspunkt der gemeinsamen inhaltlichen Annäherung. Im Mittelpunkt stand die Frage, was sorgende Gemeinschaften auszeichnet und welche Werte und Haltungen ihnen zugrunde liegen.
Ziel war es, ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln und die Bandbreite bestehender Ansätze sichtbar zu machen. Unterschiedliche Praxisbeispiele zeigten, wie sorgende Gemeinschaften bereits heute in verschiedenen Kontexten gelebt werden.
Schritt 2: Engagement und Verantwortung in den Blick nehmen
Im Dezember 2025 wurde diese Perspektive im Rahmen einer gemeinsamen Fachveranstaltung von Forum Seniorenarbeit NRW, Daseinsvorsorge vor Ort stärken (DavOr) und der Koordinierung der Regionalbüros Alter, Pflege und Demenz weiter vertieft.
Der Fokus lag nun auf der Rolle von Engagement – insbesondere im Kontext von Pflege und Daseinsvorsorge. Im Zentrum stand die Frage, wer Verantwortung übernimmt und welche Rahmenbedingungen notwendig sind, damit Engagement langfristig tragfähig gestaltet werden kann.
Dabei wurden auch zentrale Spannungsfelder sichtbar, etwa im Zusammenspiel von informeller Unterstützung und professionellen Angeboten sowie im Hinblick auf Zuständigkeiten, Rollen und Vielfalt. Im Nachgang wurden die gebündelten Ergebnisse unter dem Titel „Praxiswissen und Empfehlungen: Caring Communities – Wer sorgt mit?“ veröffentlicht.
Zentrale Erkenntnisse aus den bisherigen Formaten
Aus den bisherigen Diskussionen lassen sich vier zentrale Erkenntnisse ableiten:
- Gemeinsame Haltung: Sorge muss als geteilte gesellschaftliche Aufgabe verstanden werden.
- Beteiligung ermöglichen: Ältere Menschen sind nicht nur Adressat:innen, sondern aktiv Mitgestaltende.
- Kooperation stärken: Tragfähige Netzwerke zwischen Kommunen, Trägern, Initiativen und professionellen Angeboten sind unverzichtbar.
- Engagement nachhaltig gestalten: Es braucht verlässliche Strukturen, die Beteiligung ermöglichen, ohne zu überfordern – mit klaren Rollen, erreichbaren Ansprechpersonen, ausreichenden Ressourcen und Perspektiven zur Verstetigung.
Schritt 3: Der Blick in die Praxis
Vor diesem Hintergrund richtete sich der Fokus beim digitalen Fachtag am 14. April 2026 konsequent auf die praktische Umsetzung.
Nachdem zentrale Begriffe geklärt, Handlungsfelder eingeordnet und die Bedeutung von Engagement herausgearbeitet wurden, stand nun die Frage im Mittelpunkt: Wie können sorgende Gemeinschaften konkret vor Ort gestaltet werden?
Werkzeuge für die Umsetzung vor Ort
Der digitale Fachtag „Werkzeuge für sorgende Gemeinschaften – Vom Leitbild zur Praxis“ setzte genau hier an. Im Mittelpunkt standen konkrete Ansätze, Methoden und Instrumente, die Kommunen und Akteur:innen dabei unterstützen können, sorgende Gemeinschaften zu initiieren, weiterzuentwickeln und langfristig zu verankern.
Dabei wurden insbesondere drei Perspektiven in den Blick genommen:
- Haltung und Verantwortung klären
- Beteiligung älterer Menschen stärken
- Engagement strategisch fördern und verstetigen
Die vorgestellten Werkzeuge bieten Orientierung, strukturieren Prozesse und eröffnen konkrete Ansatzpunkte für die eigene Praxis.
Ein fortlaufender Entwicklungsprozess
Der Fachtag macht deutlich: Der Weg zu sorgenden Gemeinschaften ist kein geradliniger Weg, sondern kurvenreich und ein fortlaufender, vielfältiger Entwicklungsprozess.
Die bisherigen Formate des Forum Seniorenarbeit NRW zeigen, wie sich dieser Prozess gestalten lässt – von der Verständigung über zentrale Begriffe und Ziele, über die Auseinandersetzung mit Rollen und Rahmenbedingungen bis hin zur konkreten Umsetzung vor Ort.
Schwerpunkte des digitalen Fachtags
Vor dem Hintergrund seiner langjährigen Erfahrung als Berater und Prozessbegleiter im Rahmen der Landesstrategie Baden-Württemberg Quartier 2030 fokussierte Herr Martin Keller-Combé das Thema „Von der Vision zur Wirklichkeit: Lessons Learned aus Caring Communities“ im Impulsvortrag. Dabei wurden typische Stolpersteine und Gelingensbedingungen für sorgende Gemeinschaften herausgearbeitet und niedrigschwellige Einstiege für die Umsetzung vorgestellt.
Die Veranstaltung war weiterhin entlang von drei zentralen Schwerpunkten strukturiert:
Der erste Schwerpunkt widmete sich der Frage von Haltung und Verantwortung in sorgenden Gemeinschaften. Im Zentrum stand dabei, welches Verständnis von Sorge das Handeln prägt und wie Verantwortung in einer sorgenden Gemeinschaft verteilt und getragen werden kann. Es ging um eine gemeinsame Orientierung und um das Zusammenspiel unterschiedlicher Rollen.
Der zweite Schwerpunkt nahm die Beteiligung älterer Menschen in den Blick. Sorgende Gemeinschaften können nur dann nachhaltig wirken, wenn Menschen vor Ort tatsächlich einbezogen werden. Dabei ist insbesondere die Perspektive älterer Menschen zentral – nicht als Zielgruppe, sondern als aktiv Mitwirkende. Beteiligung bedeutet hier auch, Zugänge so zu gestalten, dass unterschiedliche Lebenslagen und Ressourcen berücksichtigt werden.
Der dritte Schwerpunkt fokussierte die strategische Förderung von Engagementstrukturen. Hier wurde die Perspektive der Engagementförderung besonders deutlich: Wie kann Engagement nicht nur angeregt, sondern langfristig unterstützt und verankert werden? Welche Rahmenbedingungen, Kooperationen und Strukturen sind notwendig, damit aus einzelnen Aktivitäten tragfähige Entwicklungen entstehen?
Mit diesen Fragestellungen bildete der Fachtag den Auftakt für eine vertiefte Auseinandersetzung mit konkreten Ansätzen und Erfahrungen. Im Mai folgen weitere Beiträge auf der Website des Forum Seniorenarbeit NRW, welche die zentralen Impulse, Perspektiven und Praxisbeispiele aus den einzelnen Programmpunkten dokumentieren.
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Letzte Aktualisierung: 30. April 2026