Menschen in der zweiten Lebenshälfte befürworten mehr Gleichheit in der Alterssicherung

Pressemitteilung vom 01.06.2026

Menschen in der zweiten Lebenshälfte befürworten, dass die staatliche Altersvorsorge zu mehr Gleichheit der Einkommen und Lebensbedingungen im Alter beitragen sollte. Sie bewerten ebenfalls das Äquivalenzprinzip der gesetzlichen Rentenversicherung – also der Grundsatz, dass höhere Einkommen und damit höhere Beitragszahlungen zu höheren Renten führen – mehrheitlich als gerecht. Vorsorgepessimistische Einstellungen sind dagegen vergleichsweise wenig verbreitet. Das zeigen aktuelle Auswertungen des Deutschen Alterssurveys (DEAS) 2023 des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA).

Im Mittelpunkt der Analyse standen Einstellungen von Personen ab 43 Jahren zur Alterssicherung in Deutschland. Die Befragten bewerteten Aussagen auf einer fünfstufigen Skala von Ablehnung bis Zustimmung. Die höchste Zustimmung erhielt das Prinzip der Gleichheit: Die Aussage, dass die staatliche Altersvorsorge zu größerer Gleichheit der Einkommen und Lebensbedingungen unter älteren Menschen beitragen sollte, erreichte einen Mittelwert von 4,1 auf der Skala von 1 bis 5. Damit zeigt sich eine klare Unterstützung für umverteilende und ausgleichende Elemente in der Alterssicherung.

Die Befunde zeigen, dass Gleichheit und Beitragsäquivalenz in der Wahrnehmung der Bevölkerung nicht zwingend Gegensätze sind“, so Dr. Julia Simonson, Erstautorin der Veröffentlichung. „Viele Menschen wünschen sich offenbar ein Rentensystem, das Leistung und Beiträge anerkennt, zugleich aber auch stärker gegen Ungleichheit im Alter wirkt.“

Wenig verbreitet ist hingegen eine pessimistische Haltung zur Altersvorsorge. Die Aussage „Es hat keinen Sinn, für das Alter vorzusorgen, weil man ohnehin nicht weiß, was die Zukunft bringt“ erhielt mit einem Mittelwert von 2,2 den niedrigsten Zustimmungswert der betrachteten Aussagen. Die meisten Menschen in der zweiten Lebenshälfte gehen demnach nicht davon aus, dass Vorsorge für das Alter grundsätzlich sinnlos ist.

Die Grafik zeigt die Zustimmung zu verschiedenen Aussagen zur Altersvorsorge auf einer Skala von 1=Lehne ganz ab bis 5=Stimme voll zu bei Personen zwischen 43 und 90 Jahren. Die Werte zu den einzelnen Aussagen sind: Die staatliche Altersvorsorge sollte zu größerer Gleichheit der Einkommen und Lebensbedingungen unter den Älteren beitragen:4,1 Jeder sollte selbst die Verantwortung für seine Versorgung im Alter tragen: 3,2 Es ist ausreichend, wenn die gesetzliche Rente den Grundbedarf der Menschen deckt:	2,3 Es ist gerecht, dass Leute mit höherem Einkommen höhere Rente bekommen können als andere: 3,5 Es hat keinen Sinn für das Alter vorzusorgen, weil man ohnehin nicht weiß, was die Zukunft bringt:	2,2

Die Ergebnisse sind vor dem Hintergrund aktueller rentenpolitischer Diskussionen besonders relevant. Sie sprechen dafür, dass Reformen, die soziale Ungleichheiten in der Alterssicherung verringern, auf vergleichsweise breite Akzeptanz stoßen könnten, und deutlich starker befürwortet werden als Reformansätze, die darauf abzielen, dass die gesetzliche Rente als reine Basisabsicherung lediglich den Grundbedarf der Menschen deckt. Zugleich sollte die hohe Zustimmung zum Äquivalenzprinzip berücksichtigt werden: Eine stärkere Umverteilung dürfte gesellschaftlich eher angenommen werden, wenn sie nicht als vollständige Abkehr vom Prinzip beitragsbezogener Rentenansprüche wahrgenommen wird.

Die detaillierten Ergebnisse sind nachzulesen in: Simonson, J., Platt, O., & Weinhardt, M. (2026). Einstellungen zur Alterssicherung in der zweiten Lebenshälfte: Hohe Zustimmung zu Gleichheit und Äquivalenzprinzip [DZA Aktuell 02/2026]. Berlin: Deutsches Zentrum für Altersfragen. doi.org/10.60922/f4gt-q477

Der Deutsche Alterssurvey (DEAS) ist eine repräsentative Quer- und Längsschnittbefragung von Personen in der zweiten Lebenshälfte. Im Rahmen der Studie werden seit drei Jahrzehnten Menschen auf ihrem Weg ins höhere und hohe Alter regelmäßig befragt. Der Deutsche Alterssurvey wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ).

Letzte Aktualisierung: 3. Juni 2026

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