Im Workshop „Gesundheitliche Ungleichheiten im Alter(n) – Prävention in der Seniorenarbeit gestalten, Gesundheit im Alter stärken“ am 02.07.2026 in Köln standen die Potenziale von Prävention im Alter(n) sowie konkrete Ansätze aus der Praxis im Mittelpunkt. Wissenschaftliche Erkenntnisse und Praxisbeispiele machten dabei deutlich: Prävention ist eine lebenslange Aufgabe – und sie wirkt auch im hohen Alter.
Den wissenschaftlichen Einstieg gestaltete Frau Dr. Judith Wenner (Universität zu Köln) und machte deutlich, dass die negativen Effekte des Alter(n)s in der öffentlichen Wahrnehmung häufig überschätzt werden. Anhand ausgewählter Indikatoren, unter anderem der Lebenszufriedenheit, des kognitiven Status und der wahrgenommenen Autonomie, zeigte sie mit Hilfe von Studienergebnissen, dass es vielen Menschen im hohen Alter relativ gut geht. Allerdings bleiben Effekte sozialer Ungleichheit auch im hohen Alter bestehen und wirken sich negativ auf die Gesundheit aus. Ein zentrales Fazit des Vortrags war das große Potenzial von Prävention. Prävention sei zum einen als lebenslange Aufgabe zu verstehen, die das gesamte Alter(n) begleitet. Zum anderen könne sie auch noch im höheren und hohen Alter wirksam sein. Präventive Interventionen und Angebote entfalten somit auch in späteren Lebensphasen positive Effekte – es ist also nie zu spät, mit Prävention zu beginnen.
Wie sich dieses Potenzial in der Praxis nutzen lässt, zeigte anschließend Frau Katharina Pucher vom Deutschen Roten Kreuz anhand der präventiven Hausbesuche in Köln. Sie stellte das Konzept, den Ablauf sowie Ergebnisse der Evaluation vor. Die präventiven Hausbesuche dienen dazu, ältere Menschen frühzeitig über Unterstützungs-, Gesundheits- und Präventionsangebote zu informieren und individuelle Bedarfe zu erkennen. Die Evaluation zeigt den Mehrwert des Angebots: So gaben 66 % der besuchten älteren Menschen an, durch den Hausbesuch neue Informationen erhalten zu haben. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die dauerhafte Verankerung des Angebots in der kommunalen Infrastruktur im Bereich Senior:innenarbeit. Dadurch kann das präventive Potenzial frühzeitig genutzt werden, um Krisensituationen vorzubeugen und kostenintensive Folgebedarfe zu reduzieren.
Im zweiten Praxisbeitrag stellte Herr Daniel Pfeiffer (Diakonie Köln und Region) das Projekt „Suchthilfe 60 plus“ vor, das sich gezielt an ältere Menschen mit Suchterkrankungen oder riskantem Konsum richtet. Dabei wurde deutlich, dass Sucht im Alter weit mehr umfasst als Alkohol- oder Drogenkonsum und beispielsweise auch Medikamentenabhängigkeit sowie Spiel- oder Kaufsucht einschließt. Das Projekt verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Neben individueller und aufsuchender Beratung für Betroffene und Angehörige gehören Informations- und Schulungsangebote für Fachkräfte sowie die Vernetzung mit Akteur:innen der Seniorenarbeit und des Gesundheitswesens dazu. Ziel ist es, die Versorgung älterer Menschen mit Suchtproblemen nachhaltig zu verbessern.
Am Nachmittag diskutierten die Teilnehmenden in zwei Werkstattgesprächen über gelingende Praxisansätze und bestehende Herausforderungen bei der Gestaltung von Präventionsangeboten für ältere Menschen. Erfolgreiche und inklusive Angebote für ältere Menschen entstehen dort, wo hauptamtliche Koordination, verlässliche Finanzierung, wohnortnahe und kostenarme Angebote, persönliche Ansprache, starke lokale Netzwerke und Kooperationen sowie barrierearm erreichbare Anlaufstellen in den Quartieren zusammenkommen. Ehrenamt ergänzt diese Strukturen, kann sie aber nicht ersetzen. Es wurde ferner auf die unterschiedliche Anzahl von Angeboten in der Stadt und auf dem Land sowie die Bedeutung von Mobilität in dem Kontext hingewiesen. Ein gemeinsames Fazit des Workshops: Prävention im Alter(n) gelingt dann besonders gut, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse und kommunale Praxis Hand in Hand gehen und ältere Menschen frühzeitig mit passgenauen und alltagsnahen Angeboten erreicht werden.
Foto aus dem Workshop: Wo können im Alltag älterer Menschen gesundheitsfördernde Impulse gesetzt werden und welche niedrigschwelligen Maßnahmen haben sich bewährt?
Veranstaltungshinweis
Wir möchten Sie zum digitalen Format „Gesundheitskompetenz im Alter(n) stärken – Impulse für Vorsorge und Früherkennung im Alter“ am 28.07.2026 von 11 Uhr bis ca. 12:30 Uhr einladen!
Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.
Letzte Aktualisierung: 6. Juli 2026
