Praxis:Nah 02/2026 – Einblick in gelingende Senior:innenarbeit
Für ältere Menschen in Deutschland zeichnet sich die Bedeutung des eigenen Zuhauses v.a. durch ein starkes Verbundenheitsgefühl und eine über mehrere Jahrzehnte lange Wohndauer aus (Hoffmann et al. 2021: 88f.). Altersbegleitende Mobilitätseinschränkungen können jedoch dazu führen, dass das eigene Zuhause nicht mehr nur Sicherheit und Geborgenheit bietet, sondern einschränkend auf Teilhabemöglichkeiten und den Verbleib im eigenen Zuhause im Alter (engl. Ageing in place) wirkt (Mollenkopf & Flaschenträger 1996: 34f.; Bosch-Farré et al. 2020: 10). Alltägliche Wege können zu Stolperfallen werden und vertraute Abläufe neue Herausforderungen darstellen. Oft fehlt jedoch Wissen über Möglichkeiten der Wohnraumanpassung oder entsprechende Anlauf- und Beratungsstellen und Wohnsituationen bleiben den Bedürfnissen somit unangepasst.
Landesweit bestehen mittlerweile bereits über 100 Wohnberatungsstellen, die sich als neutrale sowie kostenfreie Anlaufstelle für Fragen und Information rund um die (barrierefreie) Anpassung der individuellen Wohnsituation verstehen. Sie richten sich dabei nicht nur an ältere Menschen, die akut Beratung benötigen, sondern auch präventiv an vorsorgende Personen. Dazu gehören z.B. auch Angehörige betroffener Personen, Planer:innen, Vermieter:innen oder Eigentümer:innen jeden Alters.
Im Mittelpunkt steht stets die individuelle Situation: Wohnberater:innen machen sich vor Ort gemeinsam mit den Ratsuchenden ein Bild von der Wohnsituation und entwickeln passgenaue Vorschläge. Diese können von kleinen Alltagshilfen über technische Unterstützungssysteme bis hin zu baulichen Veränderungen reichen. Ergänzend informieren die Beratungsstellen auch über Finanzierungsmöglichkeiten, passende Dienstleister:innen oder Alternativen zum bisherigen Wohnen. Dementsprechend leisten die Wohnberatungsstellen einen zentralen Beitrag zur Stärkung der Selbstständigkeit und Lebensqualität im Alter, denn gerade ältere Menschen profitieren davon, wenn ihr Zuhause barrierefrei und an ihre Bedürfnisse angepasst ist.
Für die Wohnberatungsstellen in Nordrhein-Westfalen gibt es zudem eine zentrale Koordinierungsstelle: Die Landeskoordination Wohnberatung NRW. Seit 2024 wird sie in Trägerschaft der BAG Wohnungsanpassung e.V. vom Ministerium für Arbeit Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen und den Landesverbänden der Pflegekassen damit beauftragt, die Wohnberatungsstellen im Land zu begleiten und zu unterstützen. Ihre Aufgabe ist es, die Beratungsstellen fachlich und organisatorisch zu stärken, den Austausch zwischen ihnen zu fördern und als zentrale Schnittstelle Wissen, Materialien und Erfahrungen zu bündeln. Dazu gehört es auch, Fort- und Weiterbildungen für Wohnberater:innen anzubieten, neue Beratungsstellen beim Aufbau zu unterstützen, Förderverfahren zu steuern und das Thema durch Öffentlichkeitsarbeit in Politik und Gesellschaft zu tragen.
Damit sorgt die Landeskoordination dafür, dass Ratsuchende überall in Nordrhein-Westfalen auf wohnortnahe und qualitativ hochwertige Beratung zurückgreifen können und versteht ihre Arbeit dementsprechend als aktiven Beitrag zur Gestaltung einer Gesellschaft, in der Menschen unabhängig von Alter oder Einschränkungen sicher, komfortabel und selbstbestimmt in ihrem Zuhause leben können.
Kontakt und weitere Informationen
Eva Fürstenwerth![]()
Tel.: 0221-367 599 112
E-Mail: e.fuerstenwerth@lk-wohnberatung.nrw
Web: https://lk-wohnberatung.nrw
Hannah Glaser
Tel.: 0221-367 599 113
E-Mail: h.glaser@lk-wohnberatung.nrw
Web: https://lk-wohnberatung.nrw
Kriterien für gelungene Praxis – Zugang, Durchführung und Transfer
Wie die Angebote und Leistungen im Wirkungsbereich der Arbeit mit und für ältere Menschen in Deutschland erweisen sich auch die Kriterien für gelungene Praxis als vielfältig. Sowohl für bereits langjährig tätige Akteur:innen als auch Neueinsteiger:innen haben Köster und Kolleg:innen (2008) in diesem Sinne 12 Qualitätsziele (QZ) formuliert, eingebettet in die drei Qualitätszieldimensionen: Zugangs-, Durchführungs- und Transferqualität, die Akteur:innen in ihrer Arbeit eine Orientierung bieten.
Im Rahmen des Zugangs fragen die zugehörigen QZ nach der Ausarbeitung einer zielgruppenspezifischen und gegenüber Lebenslagen sensiblen Ansprachestrategie für ein Angebot oder eine Leistung von Akteur:innen. In der Dimension Durchführung werden anschließend Fragen nach Selbstbestimmung und Mehrwert für Angebotswahrnehmende und dessen nachhaltige Sicherung gestellt. Im Transfer geht es dann darum, Gelerntes aus der Anwendungsfähigkeit und -praxis sowie den Nutzen zu reflektieren.
Die einzelnen Qualitätsziele dienen dabei als Instrumente, um das individuelle Leitbild der Akteur:innen zu sichern. Aus diesem Grund gilt auch nicht „Je mehr, desto besser“. Qualitätsziele dienen dazu, eine Stimmigkeit und Begründetheit der Angebote und Leistungen mit dem Leitbild der Akteur:innen prozessual (wieder-)herzustellen. Akteur:innen stellen sich im Rahmen der Qualitätsziele also Relfexionsfragen, was für ihr jeweiliges Angebot oder ihre Leistung vor dem Hintergrund des Leitbildes Sinn ergibt und möglich ist.
Zugangsqualität
- Die Vielfalt des Alter(n)s wird in der Ansprachestrategie differenziert berücksichtigt
- Milieu- und geschlechtsspezifische Unterschiede werden berücksichtigt
- Transparenz, Sichtbarkeit und Vernetzung mit anderen Akteur:innen im Feld
Durchführungsqualität
- Ein verlässlicher Etablierungsrahmen besteht
- Diversifizierte Expertisen und Kompetenzen kommen zusammen
- Prozesse und Strukturen erfolgen partizipativ (Informations-, Mitwirkungs- und Mitentscheidungsstrukturen)
Transferqualität
- Kompetenz- und ressourcenorientierte Selbstorganisation wird gefördert (Maßnahmen und Projekte, ggf. über Projektrahmen hinaus)
Literaturhinweise
Bosch-Farré, C., Malagón-Aguilera, M.C., Ballester-Ferrando, D., Bertran-Noguer, C., Bonmatí-Tomás, A., Gelbert-Vilella, S. & D. Juvinyá-Canal, 2020: Healthy Ageing in Place: Enablers and Barriers from the Perspective of the Elderly. A Qualitative Study. International Journal of Environmental Research and Public Health 17: 2-24.
Hoffmann, E., Lozano Alcántara, A. & L. Romeu Gordo, 2021: >>My home is my castle<<: Verbundenheit mit der eigenen Wohnung im Alter. S. 87-92 in: Statistisches Bundesamt, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Bundesinistitut fr Bevölkerungsforschung (Hrsg.), Datenreport 2021: Ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland. Bonn: BpB.
Köster, D., Schramek, R. & S. Dorn, 2008: Qualitätsziele moderner SeniorInnenarbeit und Altersbildung. Oberhausen: ATHENA.
Mollenkopf, H. & P. Flaschenträger, 1996: Mobilität zur sozialen Teilhabe im Alter. WZB Discussion Paper FS III 96-401: 3-50.
Letzte Aktualisierung: 23. Januar 2026
