Inklusion Vor-Ort gelebt – zentral – dezentral für jedermann

Praxis:Nah 05/2026 – Einblick in gelingende Senior:innenarbeit

Diese Veranstaltungen sind weit mehr als Freizeitangebote. Sie stärken den sozialen Zusammenhalt, fördern die Gesundheit und schaffen Räume, in denen Menschen voneinander lernen können. Genau solche Begegnungen machen unsere Stadt und Gemeinde lebendig.


– Boris Ortmeier, Bürgermeister Stadt Barntrup, zur Verfügung gestellt durch den Kreis Lippe 2026

Kurzbeschreibung

Das vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages geförderte Projekt Inklusion Vor-Ort – zentral – dezentral für jedermann verfolgt das Ziel, die soziale Teilhabe älterer Menschen im ländlichen Raum zu stärken. Mithilfe der geschaffenen Sozialberatung und des entstehenden Netzwerks werden gemeinsam mit diversen lokalen Akteur:innen ganzheitliche Beratungs-, Inklusions- und Freizeitangebote entwickelt und umgesetzt. Hintergrund sind die zahlreichen gesellschaftlichen und strukturellen Herausforderungen in ländlichen Regionen, wie die schlechte Erreichbarkeit von Angeboten aufgrund fehlender Infrastruktur. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf der Zielgruppe der älteren Menschen in den Kommunen Barntrup und Dörentrup (Kreis Lippe), die auf unterschiedlichen Ebenen eingebunden werden. Durch die Sozialberatung vor Ort können räumliche und soziale Barrieren abgebaut werden, um Vereinsamung, Sprachbarrieren oder Ausgrenzung entgegenzuwirken.

Gelingensfaktoren

Eine offene und verlässliche Kommunikation zwischen der Projektkoordination und den Akteur:innen vor Ort ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren. Der kontinuierliche und vertrauensvolle Austausch trägt wesentlich dazu bei, die Zusammenarbeit bedarfsgerecht zu gestalten und die Sichtbarkeit des Projekts in Dörentrup und Barntrup zu stärken. Dabei erwiesen sich insbesondere soziale Kontakte und eine offene Kommunikation als wichtige Schutzfaktoren gegen Einsamkeit in den Zielgruppen und als zentrale Grundlage der Projektarbeit.

Besonders wirkungsvoll waren zudem der gezielte Aufbau und die Pflege eines verlässlichen Netzwerks aus lokalen Partner:innen. Dieses Netzwerk unterstützte die Planung, Bewerbung und Durchführung von Veranstaltungen maßgeblich und half, die Angebote in den Kommunen zu verankern.

Ein weiterer Erfolgsfaktor war die Beständigkeit der Angebote. Durch regelmäßige Veranstaltungsformate konnten die Senior:innen feste Routinen entwickeln. So wurden die Angebote immer stärker als Teil ihres Alltags wahrgenommen und kontinuierlich genutzt.

Auch die persönliche Präsenz der Projektmitarbeiterin bei den Veranstaltungen hatte einen positiven Einfluss. Vor Ort konnten die Beziehungen vertieft und die Qualität der Angebote gesichert werden. Ergänzend dazu fand eine kontinuierliche Evaluation statt, unter anderem in Form einer ausführlichen Befragung der Senior:innen im Zuge der Ausschreibung des „Methodenkoffers“. Die Rückmeldungen flossen direkt in die Weiterentwicklung der Formate ein und ermöglichten eine bedarfsgerechte Anpassung für das kommende Projektjahr.

Schließlich trug der Einsatz verschiedener Kommunikations- und Werbekanäle dazu bei, die Zielgruppen zu erreichen und neue Teilnehmende zu gewinnen. Die Kombination aus persönlichen Gesprächen, lokalen Netzwerken sowie analogen und digitalen Informationswegen sorgte für eine deutlich größere Reichweite und Sichtbarkeit der Angebote.

Ressourcen

Das Projekt wird mithilfe von Projektmitteln des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat umgesetzt. Den größten Ausgabenanteil machen die Personalkosten für die Sozialarbeiterin (Projektstelle) aus. Diese ist verantwortlich für die Planung, Koordination und Umsetzung sämtlicher Projektmaßnahmen in den Kommunen Barntrup und Dörentrup. Zu ihren Aufgaben gehören vor allem die Organisation und Betreuung der Veranstaltungsformate, die Netzwerkarbeit mit lokalen Akteur:innen, die Ansprache und Begleitung der Zielgruppen sowie die fortlaufende Evaluation der Angebote. Darüber hinaus gibt es weitere Aufwendungen (Sachmittel) die in direktem Zusammenhang mit der Errichtung des zentralen Begegnungsortes (Erzähl-Café) und der Planung und Durchführung der Veranstaltungen für die Projektzielgruppen stehen. Hierzu zählen Materialien und Ausstattung für Formate wie z.B. das Generationenfrühstück sowie weitere veranstaltungsbezogene Sachkosten.

Ergebnisse und Wirkung

Das dreijährige Projekt befindet sich derzeit (Stand: März 2026) im ersten Quartal des zweiten Durchführungsjahres. Zu Beginn des Projekts wurden die Bedarfe in beiden Kommunen ermittelt. Auf dieser Grundlage entstand ein vielfältiger Fundus an Ideen, der in Veranstaltungsprogrammen für das gesamte Jahr mündete. Anschließend wurden die Angebote geplant, begleitet, ausgewertet und schrittweise weiterentwickelt. Besonders gut angenommen wurden niedrigschwellige Angebote wie gemeinsame Frühstücke, das Erzählcafé als Treffpunkt, Sicherheitsvorträge der Polizei, Kooperationen mit Schulen im Bereich Digitalisierung, Kreativangebote, Ausflüge, Sprachkurse und Kinoabende. Diese Aktivitäten haben spürbar dazu beigetragen, Begegnungen zu fördern und das Miteinander in den Dörfern zu stärken. Ein wichtiger Meilenstein war die Renovierung und Eröffnung des Erzählcafés in Dörentrup. Es dient seither als zentraler Treffpunkt und Basis der sozialpädagogischen Arbeit der Kommune. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten steht ein einladender Raum zur Verfügung, in dem Austausch und Gemeinschaft gelebt werden können.

Zusätzlich wurde ein Projektfahrzeug (dezentraler Begegnungsort) angeschafft, das Menschen ohne eigenes Auto die Teilnahme an Veranstaltungen ermöglicht und somit ihre Mobilität und Teilhabe im ländlichen Raum verbessert. Ein weiterer Schwerpunkt der Projektarbeit war die Umsetzung einer Befragung. Mit dem Ziel, weitere zielgruppenspezifische Angebote zu entwickeln und die Projektaktivitäten zu validieren, wurden im Rahmen dessen über 500 Senior:innen zu ihren Wünschen und Erfahrungen bezüglich der Strukturen und Angebote vor Ort befragt.

Die Befragung und die Auswertung der Ergebnisse werden in die Planung weiterer Maßnahmen einbezogen. Insgesamt zeigt sich, dass das Projekt den sozialen Zusammenhalt stärkt und das Dorfleben belebt. Viele Menschen haben neue Kontakte geknüpft und sich engagiert eingebracht, wodurch das Gemeinschaftsgefühl vor Ort spürbar gewachsen ist. Diese Wirkung kann beispielsweise anhand der Teilnehmendenlisten gemessen werden, die für jede Veranstaltung erstellt werden. Nun gilt es, Möglichkeiten zu finden, um das gewachsene Netzwerk zu stärken und den Fortbestand der Sozialberatung und der Angebote auch über das Projektende hinaus zu sichern.

Konkrete Umsetzungsschritte

In der Vorbereitungsphase wurde zunächst eine Projektkoordination eingerichtet und ein Netzwerk aus Kommunen, Expert:innen sowie verschiedenen Zielgruppen aufgebaut. Durch regelmäßige Abstimmungen, Gespräche und aufsuchende Sozialarbeit wurden die Bedarfe ermittelt. Auf dieser Grundlage wurden Veranstaltungsangebote abgeleitet, Methoden erarbeitet sowie feste und mobile Begegnungsorte etabliert. Während der Durchführung fanden kontinuierlich Abstimmungen und Öffentlichkeitsarbeit statt. Die zentralen Begegnungsorte wurden eröffnet und mit regelmäßigen Angeboten belebt. Zusätzlich kam ein mobiler Begegnungsort in den Ortsteilen zum Einsatz. Es wurden vielfältige Veranstaltungen umgesetzt, darunter Beratungsangebote, gemeinsame Aktivitäten, Kurse und Ausflüge. Zudem wurde technische Ausstattung beschafft, die aktiv in den Angeboten genutzt wurde. Zur begleitenden Evaluation der Angebote wurde eine umfangreiche Befragung von über 500 Personen durchgeführt und ausgewertet. Die Angebote wurden reflektiert, angepasst und teilweise verstetigt. Gleichzeitig wurden zentrale Ergebnisse zu den Bedarfen der Zielgruppen gesichert und als Grundlage für die Weiterentwicklung des Projekts sowie für zukünftige Handlungsempfehlungen genutzt.

Eine Adaption des Projekts in anderen Kontexten ist problemlos möglich. Das Projekt zeigt, dass es in ländlichen Gebieten oft nicht an Angeboten für ältere Menschen mangelt, sondern dass neue Zugangswege benötigt werden, um die Zielgruppen zu erreichen. Im Falle des Projekts IVO wurden Möglichkeiten erarbeitet, wie Angebote in den kleineren Ortsteilen der Stadt Barntrup und der Gemeinde Dörentrup realisiert werden können und wie Menschen durch den Aufbau eines Netzwerkes dabei unterstützt werden können, Angebote anzunehmen.

Rolle engagierter Personen

Das Projekt ist eng an die kommunalen Strukturen der Stadt Barntrup und der Gemeinde Dörentrup geknüpft. Es wird vorrangig durch die hauptamtlich tätige Sozialarbeiterin begleitet. Darüber hinaus werden die Angebote von weiteren Akteur:innen vor Ort unterstützt. Bereits im ersten Projektjahr wurden zahlreiche Kooperationen im Netzwerk geschlossen. Dieses umfasst neben weiteren hauptamtlich tätigen Personen (z. B. Referenten bei Veranstaltungen) eine bunt gemischte Gruppe ehrenamtlich engagierter Helfer:innen. An dieser Stelle sollen drei besondere Helfergruppen herausgestellt werden: Da ist zunächst die Kooperation zur digitalen Befähigung, bei der sich das örtliche Gymnasium mit seinen Lehrkräften und Schüler:innen ehrenamtlich engagiert, um älteren Menschen den Umgang mit digitalen Endgeräten beizubringen. Flexible Ruheständler aus den Ortsteilen unterstützen zudem die regelmäßigen Gruppenangebote (wie beispielsweise den Frühstückstreff), indem sie bei der Organisation tatkräftig mithelfen. Eine weitere Gruppe von Ehrenamtlichen betreut eigene Angebote für die Zielgruppen nach persönlichen Interessen und Fähigkeiten. So werden beispielsweise die erstmals angebotenen gemeinschaftlichen Wanderungen für Senior:innen durch Ehrenamtliche unterstützt.

Erfahrungen und Empfehlungen

Während der Durchführung zeigte sich, dass es eine der zentralen Herausforderungen war, eine kontinuierliche Beteiligung der Zielgruppen sicherzustellen und die Angebote langfristig in den Alltag der Teilnehmenden zu integrieren. Ebenso anspruchsvoll war es, die verschiedenen Akteur:innen vor Ort effektiv zu koordinieren und die Angebote sichtbar zu machen. Als wesentlicher Lösungsansatz erwies sich eine offene, verlässliche und kontinuierliche Kommunikation zwischen der Projektkoordination und den lokalen Partner:innen. Der Aufbau und die Pflege eines stabilen Netzwerks unterstützten die Planung, Bewerbung und Umsetzung der Angebote maßgeblich. Zudem trug die persönliche Präsenz der Projektmitarbeiterin dazu bei, Vertrauen aufzubauen, Beziehungen zu stärken und die Qualität der Angebote zu sichern. Ein weiterer erfolgreicher Ansatz war die Beständigkeit der Formate. Durch regelmäßige Veranstaltungen konnten die Teilnehmenden feste Routinen entwickeln und die Angebote zunehmend in ihren Alltag integrieren. Parallel dazu wurden Rückmeldungen der Zielgruppen systematisch eingeholt und ausgewertet, sodass die Angebote kontinuierlich angepasst und bedarfsgerecht weiterentwickelt werden konnten. Ergänzend dazu erwies sich die Nutzung vielfältiger Kommunikations- und Werbekanäle als hilfreich, um unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen und die Sichtbarkeit zu erhöhen. Die Kombination aus persönlichen Kontakten, Netzwerkarbeit sowie analogen und digitalen Informationswegen führte zu einer größeren Reichweite. Als Empfehlung lässt sich festhalten, dass eine enge Vernetzung vor Ort, kontinuierliche Kommunikation, verlässliche und regelmäßige Angebote sowie eine fortlaufende Evaluation entscheidend für eine erfolgreiche Umsetzung sind.

Kontakt und weitere Informationen

Frau Kanbal (Projektmitarbeiterin)
E-Mail: e.kanbal@barntrup.de
Web (Barntrup): https://www.barntrup.de/Bildung-Kirchen-Soziales/Soziale-Beratungsstelle.htm?
Web (Dörentrup): https://www.doerentrup-lippe.de/Leben-Wohnen/Soziale-Beratungsstelle-im-Erz%C3%A4hl-Caf%C3%A9/

Kriterien für gelungene Praxis – Zugang, Durchführung und Transfer

Eigene Darstellung nach Vorlage (Köster et al. 2008).

Wie die Angebote und Leistungen im Wirkungsbereich der Arbeit mit und für ältere Menschen in Deutschland erweisen sich auch die Kriterien für gelungene Praxis als vielfältig. Sowohl für bereits langjährig tätige Akteur:innen als auch Neueinsteiger:innen haben Köster et al. (2008) in diesem Sinne 12 Qualitätsziele (QZ) formuliert, eingebettet in die drei Qualitätszieldimensionen: Zugangs-, Durchführungs- und Transferqualität, die Akteur:innen in ihrer Arbeit eine Orientierung bieten.

Im Rahmen des Zugangs fragen die zugehörigen QZ nach der Ausarbeitung einer zielgruppenspezifischen und gegenüber Lebenslagen sensiblen Ansprachestrategie für ein Angebot oder eine Leistung von Akteur:innen. In der Dimension Durchführung werden anschließend Fragen nach Selbstbestimmung und Mehrwert für Angebotswahrnehmende und dessen nachhaltige Sicherung gestellt. Im Transfer geht es dann darum, Gelerntes aus der Anwendungsfähigkeit und -praxis sowie den Nutzen zu reflektieren.

Die einzelnen Qualitätsziele dienen dabei als Instrumente, um das individuelle Leitbild der Akteur:innen zu sichern. Aus diesem Grund gilt auch nicht „Je mehr, desto besser“. Qualitätsziele dienen dazu, eine Stimmigkeit und Begründetheit der Angebote und Leistungen mit dem Leitbild der Akteur:innen prozessual (wieder-)herzustellen. Akteur:innen stellen sich im Rahmen der Qualitätsziele also Relfexionsfragen, was für ihr jeweiliges Angebot oder ihre Leistung vor dem Hintergrund des Leitbildes Sinn ergibt und möglich ist.

Zugangsqualität

  • Individuelle Bedürfnis-, Interessen- und Ressourcenorientierung an den Engagierten 
  • Es besteht eine grundsätzliche Offenheit gegenüber neuen Themen, Ideen und Konzepten 
  • Transparenz, Sichtbarkeit und Vernetzung mit anderen Akteur:innen im Feld 

Durchführungsqualität

  • Ein verlässlicher Etablierungsrahmen besteht 
  • Lernherausforderungen sowie biographie- und beziehungsorientierte Persönlichkeitsentwicklung werden ermöglicht 
  • Kontakt- und Gemeinschaftsförderung sowie -etablierung werden gefördert 
  • Prozesse und Strukturen erfolgen partizipativ (Informations-, Mitwirkungs- und Mitentscheidungsstrukturen) 

Transferqualität

  • Ermöglichungsstrukturen für freiwilliges Engagement und Multiplikation bestehen

Literaturhinweise

Köster, D., Schramek, R. & S. Dorn, 2008: Qualitätsziele moderner SeniorInnenarbeit und Altersbildung. Oberhausen: ATHENA.

Quelle Beitragsbild: © Stadt Barntrup und Gemeinde Dörentrup

Letzte Aktualisierung: 27. Juli 2026

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