Gesundheit und Prävention im Alter(n): Gesundheitliche Ungleichheiten in den Blick nehmen und Zugänge schaffen

Gesundheit im Alter ist eng mit den sozialen Lebensbedingungen von Menschen verbunden. Einkommen, Bildung, Wohnsituation, soziale Netzwerke und der Zugang zu Informationen und Unterstützung beeinflussen die gesundheitlichen Chancen – auch im hohen Alter. Prävention und Gesundheitsförderung müssen deshalb unterschiedliche Lebenslagen berücksichtigen und möglichst niedrigschwellige Zugänge schaffen.

Mit drei Formaten hat das Forum Seniorenarbeit NRW diese Perspektive aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet:

Gesundheitliche Ungleichheiten im Alter(n) standen im Mittelpunkt des ersten Formats. Dr. Judith Wenner von der Universität zu Köln ordnete gesundheitliche Ungleichheiten auf Grundlage aktueller Ergebnisse der Hochaltrigenstudien NRW80+ und D80+ ein. Diese Forschung macht deutlich, dass unterschiedliche Lebensverläufe und Lebensbedingungen auch im hohen Alter relevant bleiben und die damit einhergehenden sozialen Unterschiede sich auch im höheren Alter auf Gesundheit und Teilhabe auswirken. Prävention sollte deshalb nicht nur beim individuellen Verhalten ansetzen, sondern auch die unterschiedlichen Lebensbedingungen und Ressourcen älterer Menschen berücksichtigen. Praxisbeispiele wie präventive Hausbesuche oder die Suchthilfe für ältere Menschen zeigen, wie auch Menschen erreicht werden können, die von bestehenden Angeboten bislang wenig profitieren.

Das zweite Format nahm die Gesundheitskompetenz in den Blick. Gerade bei Vorsorge und Früherkennung ist es wichtig, Informationen verständlich und zugänglich zu vermitteln und ältere Menschen bei selbstbestimmten Entscheidungen zu unterstützen. Gleichzeitig gilt: Gesundheitskompetenz allein kann soziale Ungleichheiten nicht ausgleichen. Entscheidend ist auch, ob Angebote tatsächlich erreichbar und nutzbar sind.

Wie niedrigschwellige Gesundheitsförderung im Sozialraum aussehen kann, zeigte schließlich das Gesundheitskollektiv Köln. Gesundheitssprechstunden finden an unterschiedlichen Orten im Stadtteil statt und können anonym und kostenfrei genutzt werden. Bei Bedarf ist auch Sprachmittlung möglich. Der Ansatz verbindet gesundheitliche und soziale Unterstützung und setzt dort an, wo Menschen leben. Damit wird deutlich: Gesundheitsförderung kann auch im Rahmen von Nachbarschaft, Senior:innenarbeit und ehrenamtlichen Strukturen stattfinden.

Was bedeutet das für Gesundheit & Prävention in der
Senior:innenarbeit?

Die drei Formate zeigen zusammengenommen: Gesundheitsförderung im Alter(n) muss unterschiedliche Ebenen miteinander verbinden.

Auf der individuellen Ebene geht es darum, Gesundheitskompetenz zu stärken und Menschen bei selbstbestimmten Entscheidungen zu unterstützen. Auf der Ebene der Angebotsgestaltung geht es darum, Zugangsbarrieren abzubauen und Angebote niedrigschwellig, verständlich und lebensweltorientiert zu gestalten. Auf der strukturellen Ebene stellt sich die Frage, wie soziale Ungleichheiten und unterschiedliche Lebensbedingungen bei der Planung von Gesundheitsförderung berücksichtigt werden können.

Damit verschiebt sich auch der Blick auf Prävention. Es geht nicht nur darum, ältere Menschen zu einem „gesunden Lebensstil“ zu motivieren. Ebenso wichtig ist die Frage, unter welchen sozialen Bedingungen gesundes Altern überhaupt möglich ist und welche Handlungsspielräume Menschen besitzen.

Für die Praxis können daraus unter anderem folgende Fragen entstehen:

  • Wen erreichen wir mit unseren Angeboten – und wen erreichen wir nicht?
  • Welche finanziellen, sprachlichen, sozialen, räumlichen oder institutionellen Barrieren erschweren die Nutzung?
  • Finden Gesundheitsangebote an Orten statt, die ältere Menschen ohnehin aufsuchen?
  • Wie können Beratungs- und Begegnungsangebote stärker miteinander verbunden werden?
  • Mit welchen Akteur:innen im Quartier – etwa Gesundheitswesen, Pflege, Sozialberatung, Suchthilfe, Selbsthilfe oder Zivilgesellschaft – sollten Kooperationen aufgebaut werden?

Gerade die gemeinwesenorientierte Senior:innenarbeit kann hier eine wichtige Brückenfunktion übernehmen. Sie kennt die lokalen Strukturen, verfügt über Kontakte zu älteren Menschen und kann zwischen unterschiedlichen Systemen vermitteln. Damit kann sie dazu beitragen, gesundheitliche Prävention stärker an den Lebenslagen älterer Menschen auszurichten und insbesondere diejenigen in den Blick zu nehmen, die von bestehenden Angeboten bislang nur schwer erreicht werden.

Zum Weiterlesen und für die Praxis

Die drei Formate bilden zugleich den Ausgangspunkt für ein weiteres Angebot des Forum Seniorenarbeit NRW: Ein Praxis-Handout Gesundheit im Alter(n) stellt zentrale Hintergründe und Ansatzpunkte für die praktische Arbeit zusammen.

Das Handout richtet sich an ehren- und hauptamtliche Akteur:innen der Senior:innenarbeit und soll dabei unterstützen, gesundheitliche Ungleichheiten im eigenen Arbeitsfeld zu erkennen und die Gestaltung von Angeboten entsprechend zu reflektieren.

Zum Praxis-Handout „Gesundheit im Alter(n) gemeinsam gestalten“:

Sammlung vorgestellter Projekte, Materialien und Studien

Wissenschaftliche Grundlagen

  • NRW80+ – Lebensqualität und Wohlbefinden hochaltriger Menschen in Nordrhein-Westfalen: Die Studie ermöglicht repräsentative Aussagen zu Lebensbedingungen, Lebensqualität und Wohlbefinden von Menschen ab 80 Jahren in NRW.
    NRW80+ – ceres, Universität zu Köln
  • D80+ – Hohes Alter in Deutschland: Repräsentative Studie zu Menschen ab 80 Jahren; besonders relevant ist die Einbeziehung von Menschen in stationärer Altenpflege.
    D80+ – Deutsches Zentrum für Altersfragen
  • Ergebnisse zu gesundheitlicher Ungleichheit im hohen Alter:

Vorsorge und Gesundheitskompetenz

  • Projekt „Vorsorge und Früherkennung – Chancen für die Gesundheit“: Das Projekt unterstützt ältere Menschen dabei, sich über Vorsorge- und Früherkennungsangebote zu informieren und selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen. Grundlage dafür ist die Broschüre „Vorsorge und Früherkennung für ein gesundes Älterwerden“ als niedrigschwelliges Informationsmaterial.
    Projektseite der BAGSO Service GmbH

Praxisbeispiele

  • Präventive Hausbesuche in Köln: Das Angebot richtet sich an Menschen ab 75 Jahren und verbindet aufsuchende Beratung mit Informationen zu Wohnen, Pflege, Finanzen, Unterstützungsmöglichkeiten und weiteren Hilfen.
    Stadt Köln – Präventive Hausbesuche
  • Suchthilfe 60plus der Diakonie Köln & Region: Beratung für Menschen ab 60 Jahren zu Alkohol, Medikamenten, Nikotin und anderen Substanzen; einschließlich Angehörigenberatung, Gruppenangeboten und aufsuchender Beratung.
    Diakonie Köln & Region – Suchthilfe 60plus
  • Gesundheitskollektiv Köln (ehemalig SoliMed): Ansatz für ein solidarisches Stadtteilgesundheitszentrum mit medizinischen, psychosozialen und sozialraumbezogenen Angeboten.
    GeKo Köln-Kalk (Gesundheitskollektiv Köln)

Quelle Beitragsbild: © cristiannegroni über Canva.

Letzte Aktualisierung: 2. September 2026

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