Ehrenamt zwischen Sinnstiftung, Offenheit und neuen Engagementformen

Wie können Kommunen, Seniorenvertretungen und Initiativen heute Menschen für ehrenamtliches Engagement gewinnen? Und wie verändern sich Erwartungen an freiwilliges Engagement? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Workshop am 13. Mai 2026 in Essen, der gemeinsam vom Forum Seniorenarbeit NRW und von der Landesseniorenvertretung Nordrhein-Westfalen (LSV NRW) durchgeführt wurde. Insgesamt nahmen 35 Personen vor Ort teil.

In das Thema des Workshops leitete Meike Hornbostel (ISI Institut für soziale Innovation GmbH) mit einem spannenden Impulsvortrag ein. Dabei ging sie auf aktuelle Engagementquoten und -motivationen ein, zeigte Hemmnisse wie Bürokratie und fehlende Zeit für Engagement auf und machte deutlich, dass Anliegen und Ziele von Engagement konkret greifbar gemacht werden müssen, um Menschen wirklich zu erreichen.

Im Mittelpunkt der Diskussion standen die Veränderungen im Ehrenamt sowie die Frage, wie Engagement generationenübergreifend, niedrigschwellig und anschlussfähig gestaltet werden kann. Bereits zu Beginn wurde deutlich: Engagement entsteht heute stärker über persönliche Sinnbezüge, soziale Passung und konkrete Beteiligungsmöglichkeiten als über langfristige Verpflichtungen oder formale Vereinsstrukturen. Viele Teilnehmende beschrieben das Wahrnehmen eines deutlichen Wandels in der Engagementkultur. Während früher feste Ämter und dauerhafte Bindungen stärker im Vordergrund standen, seien heute Flexibilität, Selbstbestimmung und soziale Anschlussfähigkeit entscheidend.

Im Workshop wurde gemeinsam mit verschiedenen Vorlagen gearbeitet.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Gewinnung neuer Engagierter. Als besonders erfolgreich wurden persönliche Ansprache, direkte Netzwerke und niedrigschwellige Einstiegsformate beschrieben. Mehrfach fiel der Hinweis, dass „Bring a Friend“-Ansätze häufig besser funktionieren als klassische Aufrufe. Wichtig sei zudem, genau zuzuhören und Menschen passende Aufgaben anzubieten. Engagement müsse als sinnstiftend erlebt werden und an individuellen Interessen anknüpfen.

Auch kleine, konkrete Maßnahmen wurden als wichtig hervorgehoben, um Engagement sichtbar und erfahrbar zu machen. Eine zentrale Erkenntnis lautete dabei: Viele kleine Geschichten wirken oft stärker als eine große Kampagne. Mehrere Praxisbeispiele von verschiedenen Seniorenbeiräten/-vertretungen verdeutlichten, wie unterschiedlich Beteiligung vor Ort gestaltet wird und wie durch vielfältige Aktivitäten auch neue Engagierte gewonnen werden. So wurde aus Holzwickede berichtet, wie sich der Seniorenbeirat aktiv in Diskussionen um die Schließung einer Postfiliale eingebracht hat. In Ratingen wurden Formate wie „Seniorenrat on Tour“, Sprechstunden in Begegnungsstätten oder der „Runde Tisch Einsamkeit“ vorgestellt.

Des Weiteren spielten Fragen der Anerkennung und Wertschätzung eine wichtige Rolle. Genannt wurden beispielsweise gemeinsame Jahresessen oder öffentliche Würdigungen durch Kommunen. Gleichzeitig wurde kritisch diskutiert, dass es eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Haupt- und Ehrenamt sowie eine ernst gemeinte Offenheit gegenüber Veränderungsprozessen braucht.

Im Workshop wurde zudem deutlich, dass Institutionen ihre Arbeitsweise verändern müssen. „Die Tür geht nach außen auf“ – mit diesem Bild beschrieben Teilnehmende die Notwendigkeit, aktiver in Quartiere hineinzugehen, Menschen direkt anzusprechen und Kooperationen mit bestehenden Initiativen einzugehen. Auch digitale Plattformen wie Nachbarschaftsnetzwerke oder Engagementportale wurden als wichtige Ergänzung genannt, um neue Zielgruppen zu erreichen. Die Diskussion machte insgesamt deutlich, dass der Engagementbereich heute vor der Aufgabe steht, klassische Strukturen weiterzuentwickeln und neue Formen der Beteiligung ernst zu nehmen. Dabei geht es nicht nur um die Gewinnung zusätzlicher Ehrenamtlicher, sondern um die Gestaltung von Räumen, in denen Menschen Selbstwirksamkeit, Gemeinschaft und gesellschaftliche Teilhabe erfahren können.

Der Workshop bot hierfür zahlreiche Impulse, Praxisbeispiele und Denkanstöße – und zeigte zugleich, wie wichtig Austauschformate sind, in denen Erfahrungen geteilt und gemeinsame Strategien weiterentwickelt werden können.

Letzte Aktualisierung: 18. Mai 2026

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