„Durch das Beitrittsverfahren konnte das Thema Altersfreundlichkeit noch stärker in Verwaltung und Politik getragen werden.“ – Im Gespräch mit Marion Fleischer, Ulrike Funda und Holger Pfeiffer

Praxis:Nah – im Gespräch 04/2026

Das gesamte Interview als PDF Dokument: Im Gespräch_Düsseldorf


In der Betragsreihe „Praxis:Nah“ stellen wir regelmäßig gelungene Beispiele aus der Senior:innenarbeit vor. Im Format „Praxis:Nah – im Gespräch“ erzählen die Akteur:innen selbst von ihren Erfahrungen, machen ihre Arbeit sichtbar und teilen ihre Perspektiven für die Zukunft.

Netzwerktag 2026:
Age-friendly Cities in NRW: Alter(n)sfreundliche Kommunen in der Praxis

Der Netzwerktag 2026 des Forum Seniorenarbeit NRW widmete sich dem WHO-Konzept der „Age-friendly City“. Im Mittelpunkt standen die Strukturen, Strategien und Praxisansätze der fünf alter(n)sfreundlichen Kommunen in Nordrhein-Westfalen: Radevormwald, Gelsenkirchen, Düsseldorf, Münster und Bochum. Die Vertreter:innen der Kommunen stellten beim Netzwerktag in Gelsenkirchen ihre Perspektiven, Erfahrungen und Ansätze rund um den Gestaltungsprozess alter(n)sfreundlicher Städte und Gemeinden anhand von fünf Leitfragen dar.

Die Stadt Düsseldorf ist im Jahr 2026 dem globalen Age-friendly City Netzwerk der WHO beigetreten. Marion Fleischer (oben), Ulrike Funda (unten) und Holger Pfeiffer (rechts) vom Amt für Soziales und Jugend sind kommunale Ansprechpartner:innen rund um das Thema Age-friendly City der Stadt Düsseldorf.

1. Ausgangspunkt und Motivation

Was war der konkrete Anlass oder Bedarf, der den Anstoß für Ihre Kommune gegeben hat, den Weg hin zu einer alter(n)sfreundlichen Kommune bzw. Age-friendly City zu beginnen?

Düsseldorf soll eine Stadt sein, in der sich Menschen jeden Alters rundum wohlfühlen und aktiv teilhaben können. Die Stadtverwaltung setzt sich daher seit Jahrzehnten für ein gutes Älterwerden und Altsein ein und arbeitet kontinuierlich daran, dieses Feld aktiv zu gestalten. Bereits seit 1997 bietet das städtische Pflegebüro, angesiedelt in der Abteilung Alter, Pflege und Existenzsicherung des heutigen Amtes für Soziales und Jugend, Seniorenberatung an. Im Jahr 2005 etablierte Düsseldorf die sogenannten „zentren plus“ als zentrale Struktur der offenen Seniorenarbeit – inzwischen in allen Stadtbezirken mit 32 Standorten vertreten. Heute besteht damit ein breites Angebot für ältere Menschen und das Hilfesystem wird fortlaufend ausgebaut. Dennoch sind perspektivisch weitere Maßnahmen erforderlich, um auf die Herausforderungen der demografischen Entwicklung reagieren zu können.

Die demografische Alterung wird sich weiter verstärken (s. Tabelle „Bevölkerung Düsseldorf“). Mit Erreichen des Rentenalters der geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge steigt nicht nur die Zahl der Personen der über 60-Jährigen. Diese Generation wird andere Anforderungen an das Leben im Alter und auch die Versorgungsformen stellen. Es werden Wünsche nach stärkerer Individualisierung aber auch anspruchsvollere Lebens- und Konsumbedürfnisse erwartet.

Ein zentraler Aspekt im Kontext der Demografie ist die Entwicklung der Zahl der pflegebedürftigen Personen in Düsseldorf. Bis zum Jahr 2045 werden Steigerungsraten dieser Personengruppe zwischen 20% und 30 % erwartet.

Der interkommunale Austausch ergibt auf NRW- aber auch auf der Bundesebene multiple Aspekte, die alle Kommunen und Kreise in gleichem Maße tangieren. Im Rahmen der Diskussionen um nachhaltige Strategien, Strukturen und Prozesse und damit der demografischen Entwicklung zu begegnen, ist das globale Netzwerk der AFCC in den Fokus gerückt. Auch international zeigen sich ähnliche Herausforderungen, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Das Kennenlernen der vielfältigen Herangehensweisen für die Entwicklung eigener Strukturen einerseits, andererseits die eigene Expertise und Perspektive in den Austausch einbringen zu können, war Triebfeder für die Bewerbung der Stadt Düsseldorf im Jahr 2025 für die Mitgliedschaft im globalen Netzwerk der AFCC der WHO. Seit Januar 2026 ist Düsseldorf dort Mitglied. Eine Delegation des Amtes für Soziales und Jugend Düsseldorf konnte am 3. Weltkongress der Age-friendly Cities and Communities im Juni dieses Jahres in San Sebastian teilnehmen, im Rahmen eines Workshops eigene Perspektiven einbringen und am Kongressprogramm teilnehmen.

2. Prioritäten und Maßnahmen

Es gibt die acht Handlungsfelder: Öffentlicher Raum, Verkehr und Mobilität, Wohnen, Soziale Teilhabe, Soziale Inklusion und Nichtdiskriminierung, bürgerschaftliches Engagement und Beschäftigung, Kommunikation und Information, Kommunale Dienstleistungen und Gesundheitsdienstleistungen. Welche Handlungsfelder wurden zu Beginn als besonders relevant identifiziert und welche konkreten Maßnahmen wurden daraufhin umgesetzt?

Die Landeshauptstadt Düsseldorf ist dank des fortlaufenden Ausbaus des Hilfesystems eine Stadt mit vielen Angeboten für ältere Menschen. Ein lebenswerteres Umfeld für ältere Menschen und Partizipation zu ermöglichen sind Ziele, denen sich Düsseldorf in den nächsten Jahren noch stärker widmen möchte.

Parallel mit dem Beitrittsprozess zum Netzwerk AFCC entwickelte die Landeshauptstadt im Jahr 2025 den Aktionsplan Älter werden in Düsseldorf, der klare Ideen und praktische Maßnahmen für die Zukunft formuliert. Dabei orientiert sie sich an den Rahmenbedingungen des WHO-Programms. Die Schritte des Aktionsplans haben nur Aussicht auf Erfolg, wenn sie in einem partizipativen Prozess gemeinsam mit bewährten Kooperationspartnern, z. B. den Trägern der freien Wohlfahrtspflege, aber auch weiteren Akteurinnen und Akteuren zu einer altersfreundlichen Stadt weiter gegangen werden. Abgeleitet von dem Strukturmodell der Age-Friendly Cities fokussiert sich die Landeshauptstadt Düsseldorf im Sinne einer bedarfsgerechten Versorgung und eines guten Alterns dabei zunächst auf vier Dimensionen einer altersgerechten quartiersbezogenen Infrastruktur:

  • Offene Seniorenarbeit
  • Altersgerechtes Wohnen
  • Infrastruktur Pflege und
  • Pflegerische Unterstützung und Beratung.

Sowohl Diversität und deren vielfältige Bedarfslagen als auch die Beteiligung der Zielgruppen und Akteure werden dabei als Querschnittsthemen übergeordnet in allen Dimensionen berücksichtigt.

3. Beteiligung

Wie wurden relevante Akteur:innen sowie ältere Bürger:innen mit in die Planung und Umsetzung der Maßnahmen einbezogen?

Der im Jahr 2025 von der Landeshauptstadt entwickelte Aktionsplan Älter werden in Düsseldorf wurde in allen relevanten kommunalen Gremien vorgestellt und diskutiert. Essentieller Bestandteil in der Umsetzung ist es, alle relevanten Akteure, z. B. die liga wohlfahrt düsseldorf, den Seniorenrat der Stadt Düsseldorf, aber auch Träger von Kultur- und Bildungseinrichtungen aktiv einzubinden. Aus Sicht der Fachverwaltung Soziales und Jugend ist primär zentrale Aufgabe, verwaltungsweit ein gemeinsames Verständnis für die Notwendigkeit von alter(n)sfreundlichen Aspekten zu schaffen.

4. Herausforderungen im Umsetzungsprozess

Düsseldorf ist eine lebendige Stadt mit vielfältiger Bevölkerungsstruktur. Dennoch wird sich die Stadtgesellschaft aus den bekannten demografischen Entwicklungen absehbar verändern – sowohl quantitativ als auch qualitativ. Aus den aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen resultiert eine zunehmend diversere ältere Bevölkerung, die sich durch unterschiedliche Lebenslagen und Bedürfnisse auszeichnet und entsprechende Erwartungen an Teilhabe und individuelle Unterstützung, z. B. Wohnbedingungen und pflegerische Versorgungsstrukturen formuliert. In der Folge sind Bedarfe nach Ausbau stationärer Pflegeplätze und qualifiziertem Fachpersonal ebenso zu diskutieren wie Möglichkeiten des Ausbaus von barrierefreiem Wohnraum oder der Gestaltung diversitäts- und kultursensibler Angebote. In dem Rahmen wird angestrebt, Pflegebedürftigkeit beziehungsweise das Einsetzen stationärer Versorgung hinauszuzögern oder möglicherweise sogar zu vermeiden. Der Fokus im Kontext pflegerischer Versorgung liegt somit auf dem ambulanten Bereich, möglichst mit Quartiersbezug und -konzept und mit Unterstützung von An- und Zugehörigen.

Eine weitere Herausforderung ist in den kommenden Jahren ein erheblicher Anstieg der Zahl älterer Menschen mit Migrationshintergrund in Düsseldorf. Mit Blick auf die zurückliegenden zehn Jahre hat sich gezeigt, dass in der Altersgruppe der 75-Jährigen und Älteren die Zahl an Personen mit Migrationshintergrund gestiegen ist, während die Zahl der Älteren ohne Migrationshintergrund im selben Zeitraum abnahm. Auch wenn die Personen ohne Migrationshintergrund in dieser Altersgruppe mit 71,6% immer noch den weitaus größten Anteil bilden, so kann doch vermutet werden, dass es künftig eine zunehmende Nachfrage nach kultursensiblen Angeboten in der Offenen Seniorenarbeit sowie in den Bereichen der ambulanten, teilstationären und stationären Versorgungsstrukturen geben wird. Auch für diese klare Nachfrage sind differenzierte kultursensible Angebote zu entwickeln.

Als eine zusätzliche Herausforderung ist die angespannte Finanzsituation der Kommunen sowie des Landes festzustellen. Der Spielraum für die Umsetzung von alter(n)sfreundlichen Maßnahmen reduziert sich daher zunächst in erster Linie auf die Tätigkeiten, die ohne zusätzliche finanzielle Mittel angedacht bzw. umgesetzt werden können.

Ausgehend von der Federführung des Amtes für Soziales und Jugend stehen primär die eigenverantworteten Themen und Schwerpunkte im Fokus. Altersrelevante Aspekte sind bei allen Entscheidungen mit zu betrachten. Alter(n)sfreundliche Themen in die Breite zu tragen und auch in anderen relevanten Handlungsfeldern dauerhaft zu implementieren, stellt eine zentrale Aufgabe für die kommenden Jahre dar.

5. Wirkungen und Mehrwert

Welche Maßnahmen haben sich aus Ihrer Sicht als besonders wirksam erwiesen sowohl für ältere Menschen als auch für die Kommune und welche unerwarteten positiven Effekte konnten Sie beobachten?

Wenn auch im Rahmen der Mitgliedschaft im AFCC seit Januar 2026 noch keine evaluierten Ergebnisse vorliegen (können), lässt ein Blick zurück doch Aussagen zur Wirkung und zum Mehrwert kommunaler Aktivitäten im Bereich der Altenhilfe zu.

Eine zentrale Struktur der offenen Seniorenarbeit der Landeshauptstadt Düsseldorf stellen die 32 „zentren plus“ dar. Sie beraten zu allen Fragen rund um das Leben im Alter und bieten unterschiedlichste Freizeit-, Bildungs-, Bewegungs-, Informations- und Serviceangebote und wirken als wohnortnahe Orte der Begegnung, des Austauschs und der gegenseitigen Unterstützung. Die „zentren plus“ befinden sich in Trägerschaft der freien Wohlfahrtspflege, werden vom Amt für Soziales und Jugend finanziert und gemeinsam mit den Trägern weiterentwickelt. Rückblickend wird das Netz einer flächendeckenden gleichgelagerten und über Jahre verlässlichen Struktur von Angeboten der offenen Seniorenarbeit besonders erfolgreich bewertet. Durch das Beitrittsverfahren konnte das Thema Altersfreundlichkeit noch stärker (verpflichtend) in Verwaltung und Politik getragen werden. Dabei diente der Beitritt als Momentum, das Thema weiter anzureichern und voranzutreiben.

Kontakt und Informationen

Landeshauptstadt Düsseldorf
Amt für Soziales und Jugend
Willi-Becker-Allee 7
40227 Düsseldorf
age-friendly-city@duesseldorf.de

Holger Pfeiffer: 0211 89 95020
holger.pfeiffer@duesseldorf.de

Marion Fleischer: 0211 89 21951
marion.fleischer@duesseldorf.de

Ulrike Funda: 0211 89 92547
ulrike.funda@duesseldorf.de

Quelle Beitragsbild: ©Ulrike Funda, Marion Fleischer und Holger Pfeiffer, ©Africa images. Erstellt mit Canva.

Teile diesen Beitrag: