Impulsvortrag: „Von der Vision zur Wirklichkeit – Lessons Learned aus Caring Communities“

Im Rahmen des digitalen Fachtags wurde ein Impulsvortrag präsentiert, der zentrale Erkenntnisse aus langjähriger praktischer Erfahrung in der Entwicklung und Begleitung sorgender Gemeinschaften zusammenführt. Martin Keller-Combé, mit über 20 Jahren Erfahrung in der Sozialplanung, verdeutlichte insbesondere die Bedeutung eines breiten, lebensweltorientierten Verständnisses von Caring Communities, das über Pflege- und Unterstützungsbedarfe hinausgeht und aktiv das gesunde, selbstbestimmte Älterwerden in den Blick nimmt.

Ein zentrales Leitmotiv des Vortrags war, sorgende Gemeinschaften „groß zu denken“: Quartiere sind vielfältig, ebenso wie die Bedürfnisse und Interessen der dort lebenden Menschen. Entsprechend sollten Angebote nicht ausschließlich auf ältere Menschen oder Pflegebedarfe fokussieren, sondern generationenübergreifend angelegt sein und unterschiedliche Lebenslagen berücksichtigen. Besonders hervorgehoben wurde die Rolle aktiver Beteiligung: Bürger:innen sollen nicht nur einbezogen, sondern als richtungsgebende Akteur:innen ernst genommen werden.

Als praxisnaher Zugang wurde die Bedeutung niedrigschwelliger und aktivierender Formate betont. Dazu zählen beispielsweise direkte Ansprache durch lokale Multiplikator:innen, aktivierende Befragungen sowie dialogorientierte Formate, die Menschen miteinander ins Gespräch bringen. Entscheidend ist dabei, dass Beteiligung auch positive Erlebnisse schafft und motivierend wirkt. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass es für den Einstieg in Quartiersentwicklungsprozesse nicht zwingend umfassender Bedarfsanalysen bedarf, sondern vielmehr ein pragmatisches, handlungsorientiertes Vorgehen zielführend sein kann.

Ein weiterer wichtiger Aspekt betrifft die strukturellen Rahmenbedingungen: Schlanke Organisationsstrukturen, frühzeitiges „Ins-Tun-Kommen“ sowie die Arbeit in eigenständig agierenden Projektgruppen fördern Dynamik und Umsetzungskraft. Öffentlich zugängliche Räume spielen dabei eine zentrale Rolle als Orte der Begegnung und Aktivierung. Gleichzeitig wurde die Rolle hauptamtlicher Akteur:innen klar als unterstützend und dienstleistend beschrieben, während bürgerschaftlich Engagierte den Takt der Entwicklung maßgeblich bestimmen sollten.

Abschließend wurden typische Stolpersteine benannt, etwa eine zu starke Fokussierung auf professionelle Steuerung oder zu hohe Ansprüche an Perfektion. Stattdessen wurde für einen mutigen, experimentellen Zugang plädiert: „Einfach mal anfangen“ – auch mit unvollständigen Konzepten – kann ein entscheidender Erfolgsfaktor sein, um lokale Dynamiken zu initiieren und tragfähige Strukturen aufzubauen. Der Vortrag liefert damit eine praxisorientierte Verdichtung zentraler Gelingensbedingungen für den Aufbau sorgender Gemeinschaften und bietet wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung kommunaler Seniorenarbeit und sozialräumlicher Ansätze.

Den Impulsvortrag von Martin Keller-Combé zum Nachschauen finden Sie unter u.s. Link:

Letzte Aktualisierung: 21. Mai 2026

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