Die fünf Age-friendly Cities in NRW im Portrait: Erfahrungen reflektieren und Handlungsperspektiven entwickeln

Die fünf Age-friendly Cities in NRW aus kommunaler Perspektive

Im kommunalen Panel stellten sich die fünf Age-friendly Cities in Nordrhein-Westfalen vor und gaben Einblicke in ihre Wege, Erfahrungen und Ansätze zur Gestaltung einer altersfreundlichen Kommune. Dabei wurde deutlich, wie vielfältig kommunale Strategien und Handlungsmöglichkeiten sein können.

Alternsfreundlichkeit in der Praxis: Senior:innenarbeit und Engagierte ziehen an einem Strang

Beim Netzwerktag „Age-friendly Cities in NRW: Alter(n)sfreundliche Kommunen in der Praxis“ boten fünf Werkstätten Raum, um konkrete Praxisansätze der Age-friendly Cities in NRW gemeinsam zu vertiefen, Erfahrungen auszutauschen und neue Handlungsperspektiven zu entwickeln. Im Mittelpunkt standen der fachliche Austausch, die Reflexion eigener Erfahrungen und die Frage, welche Impulse sich in die eigene Praxis übertragen lassen. Ein Rückblick auf die fünf Werkstätten zeigt die unterschiedlichen Themen, Perspektiven und Anregungen, die dabei zusammenkamen.

Münster

In der Werkstatt „Altersfreundliche Stadt Münster: Strategische und praktische Vernetzung für mehr Altersfreundlichkeit” erhielten die Teilnehmenden zunächst einen Einblick in die kommunalen und strukturpolitischen Rahmenbedingungen, insbesondere in die strategische Vernetzung der Stadt. Anschließend wurde gemeinsam die Frage diskutiert, welche Voraussetzungen wie Kontakte, Informationswege und Arbeitsweisen für die erfolgreiche Umsetzung des Age-Friendly Cities-Ansatzes vor Ort entscheidend sind.

Konsens bestand darin, dass Altersfreundlichkeit in einer Kommune klare, inhaltlich und zielorientiert ausgerichtete Maßnahmen braucht – und vor allem eine gute Kommunikation und einen verlässlichen Informationsfluss. Diese bilden eine zentrale Grundlage, um unterschiedliche Akteur:innen (in Arbeitsgruppen oder anderen Formaten) zusammenzubringen und einzubeziehen – von kommunalen Strukturen und Fachakteur:innen über ehrenamtlich Engagierte bis hin zu Bürger:innen vor Ort.

Düsseldorf

In der Werkstatt der Age-friendly City Düsseldorf lag der Fokus auf Vielfalt im Alter(n): Anne Kühl und Suzana Salmen vom AWO Kreisverband Düsseldorf e.V. stellten die Anlauf- und Beratungsstelle „Queer im Alter“ vor, welche aus der Fachstelle „Altern unterm Regenborgen“ hervorgegangen ist, mittlerweile aber nicht mehr weiterfinanziert wird. Vor dem Hintergrund dieser schwierigen Gemengelagen zeigten sie die positiven Wirkungen der bisherigen Arbeit der Anlauf- und Beratungsstelle auf: So wurden über 3000 Menschen aus der queeren Community und 692 Pflege- und Gesundheitsfachkräfte mit dem Angebot erreicht. Die Sensibilisierung von Hauptamtlichen bei Verbänden aber auch der Verwaltung im Rahmen von Schulungen war ein Anliegen der Beratungsstelle. Daneben wurden queere ältere Menschen beraten sowie Gruppenangebote für die Zielgruppe gestaltet und aufgebaut. Hierbei wurde das zur Verfügung stellen von offenen und sicheren Räumen hervorgehoben, um persönliche Kontakte und positive Begegnungen zu ermöglichen.

Die Teilnehmenden diskutierten anschließend, dass die Vernetzung und Zusammenarbeit mit u.a. Seniorenbeiräten/-vertretungen, Migrantenselbstorganisationen, Selbsthilfegruppen und anderen Akteur:innen der Senior:innenarbeit für die Sichtbarkeit der Gruppe queerer älterer Menschen förderlich sei. Weiterhin hat es sich als gewinnbringend herausgestellt, Angebote der Anlauf- und Beratungsstelle in die Düsseldorfer zentrenplus zu integrieren und sich damit in bestehenden Angeboten und sozialräumlich zu verankern.

Radevormwald

In der Werkstatt der Age-friendly City Radevormwald boten Wolf-Rainer Winterhagen (Seniorenbeirat Radevormwald, Vorstandsmitglied Aktiv55plus e.V.) und Jürgen Funke (Leiter Stabstelle für Ehrenamt, Kultur, Sport und Bürgerschaftliches Engagement) zunächst einen Überblick über den Entwicklungsprozess der Senior:innenarbeit der letzten zehn Jahre in Radevormwald. Deutlich wird die starke Prägung der Senior:innenarbeit vor Ort durch ehrenamtliche Initiativen, durch deren Engagement Radevormwald im Jahr 2016 schließlich zur ersten Age-friendly City Deutschlands wurde. In der anschließenden Gruppendiskussion hoben Teilnehmende, Winterhagen und Funke verschiedene Ansätze hervor, um Menschen miteinander zu verbinden, Engagement sichtbarer zu machen und Beteiligung langfristig zu stärken.

Im Mittelpunkt steht die kontinuierliche Tätigkeit ehrenamtlicher Initiativen, die verlässliche Koordination und Strukturen sowie zugleich eine wertschätzende Haltung und Sensibilität für ihre Tätigkeit benötigen. Ebenso wichtig sind offene und kooperative Strukturen in Stadtspitze und Verwaltung sowie die Einbindung verschiedener Akteur:innen. Ein gemeinsames Thema, das die Beteiligten verbindet und für das sie sich engagieren, kann Menschen unterschiedlichen Alters zusammenbringen. Auch eine wichtige Rolle spielt die Sichtbarkeit von Ergebnissen und Erfolgen – sie schafft Anerkennung und Motivation.

Auch bei der Frage, wie Akteur:innen in einer Kommune Stadtspitze und Verwaltung für den Ansatz der Age-friendly City gewinnen können, wurde die Bedeutung von Vernetzung deutlich. Statt als einzelne Initiative an die Kommune heranzutreten, kann es hilfreich sein, weitere Akteur:innen vor Ort – etwa Sportvereine, Schulen oder andere Einrichtungen – einzubeziehen und gemeinsam einen Brief an Stadtspitze und Verwaltung zu richten. Damit wird zugleich sichtbar, dass bereits Kommunikationswege zwischen den Akteur:innen vor Ort bestehen und die Entwicklung hin zu einer Age-friendly City nicht das Anliegen einer einzelnen Gruppe, sondern ein gemeinsames Interesse verschiedener etablierter Akteur:innen vor Ort ist.

Gelsenkirchen

Im Workshop „Mehr als nur ein Label – wie eine altersfreundliche Stadt im Alltag entsteht. Seniorenarbeit in Gelsenkirchen“ wurden zentrale Ansätze für eine altersfreundliche und engagementfördernde Quartiersarbeit in der Age-friendly City Gelsenkirchen diskutiert. Deutlich wurde, dass das Zusammenspiel von hauptamtlicher Koordination, professionell begleitetem Ehrenamt und einer breiten Netzwerkarbeit entscheidend ist, um unterschiedliche Bedarfe älterer Menschen wohnortnah aufzugreifen. Praxisbeispiele wie Nachbarschaftsstifter:innen, Technikbotschafter:innen, Spaziergangspat:innen oder Rikschapilot:innen zeigen, wie vielfältige und auch zeitlich flexible Formen des Engagements ermöglicht werden können. Als wichtige Gelingensfaktoren wurden real gelebte Partizipation, gemeinsame Ziele, die Verfübarkeit von Räumlichkeiten für Angebote und Austausch, Sichtbarkeit von Angeboten im Quartier sowie Kooperation statt Konkurrenz zwischen den beteiligten Akteur:innen benannt. Zugleich wurden Herausforderungen wie die veränderte Verbindlichkeit im Ehrenamt, die Ansprache vielfältiger Bevölkerungsgruppen, Dokumentationsaufwand und eine nachhaltige Finanzierung thematisiert. Für die Übertragbarkeit auf andere Kommunen wurde empfohlen, vorhandene Strukturen und Akteur:innen im Quartier einzubeziehen, niedrigschwellig mit kleinen Vorhaben zu beginnen sowie erfolgreiche Ansätze sichtbar zu machen und schrittweise weiterzuentwickeln.

Wege zur Vielfalt in der Senior*innenarbeit
Wie kann Senior*innenarbeit so gestaltet werden, dass sich wirklich unterschiedliche Menschen angesprochen und willkommen fühlen? Genau darum ging es in der Werkstatt „Wege zur Vielfalt in der Senior*innenarbeit“ der Landesarbeitsgemeinschaft der Seniorenbüros NRW. Zum Einstieg stellten Georg Roth und Nanke Bechthold die Arbeit der LaS und die neu entwickelte Roadmap vor, die Fachkräften, Ehrenamtlichen und Organisationen konkrete Orientierung für eine diversitätssensible Senior:innenarbeit gibt – von der Bestandsaufnahme über die Zielsetzung bis hin zur Umsetzung und Weiterentwicklung von Angeboten. Anschließend wurde es praktisch: Nach einer kurzen Vorstellungsrunde diskutierten die Teilnehmenden in zwei Gruppen, welche Zugänge, Strukturen und Ideen es braucht, damit Vielfalt in der Senior*innenarbeit nicht nur mitgedacht, sondern auch gelebt wird.


Die Beispiele aus den Kommunen zeigen vor allem eines: Alternsfreundlichkeit kann ganz unterschiedlich aussehen und entsteht vor Ort durch das Zusammenspiel engagierter Menschen, guter Strukturen und kommunaler Gestaltung. Ob neue Begegnungsangebote, engagierte Netzwerke oder eine stärkere Beteiligung älterer Menschen: Entscheidend ist, gemeinsam mit den Menschen vor Ort hinzuschauen, Bedarfe ernst zu nehmen und passende Lösungen zu entwickeln. Die Erfahrungen der Praxisakteur:innen und Ehrenamtlichen zeigen, wo sich Ideen übertragen lassen, welche Rahmenbedingungen hilfreich sind und dass auch kleine Schritte einen Unterschied machen können. So wird aus den unterschiedlichen Einblicken ein gemeinsamer Erfahrungsschatz, der auch andernorts Impulse für eine alternsfreundliche Kommune geben kann.

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