Kiel und Oldenburg treten dem WHO-Netzwerk altersfreundlicher Städte bei

Die Städte Kiel und Oldenburg sind kürzlich dem Globalen Netzwerk für alternsfreundliche Städte und Gemeinden der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beigetreten. Beide Kommunen machen damit ihre Absicht deutlich, die Lebensqualität älterer Menschen in ihrer Stadt zu verbessern.

Das Global Network für Age-friendly Cities and Communities der Weltgesundheitsorganisation verbindet Städte und Gemeinden weltweit, die sich für ein gutes Leben im Alter(n) einsetzen. Ziel ist es, den Austausch von Erfahrungen und Wissen zu fördern und Kommunen zu unterstützen, ihre Lebensbedingungen an den Bedürfnissen älterer Menschen zu orientieren. Davon können Menschen aller Altersgruppen profitieren, etwa durch barrierefreie öffentliche Räume, gute Mobilitätsangebote und Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe. Die Mitgliedschaft ist dabei keine Zertifizierung als altersfreundliche Stadt, sondern eine Selbstverpflichtung, die Altersfreundlichkeit vor Ort weiterzuentwickeln und ältere Menschen sowie unterschiedliche gesellschaftliche Akteur:innen in diesen Prozess einzubeziehen.

Mit Kiel und Oldenburg sind zwei weitere deutsche Städte Teil des Netzwerks geworden. Beide setzen bereits auf kommunale Strategien und Maßnahmen, um die Lebensbedingungen älterer Menschen zu verbessern.

Altersfreundliche Kommunen im Austausch

Die Aufnahme in das WHO-Netzwerk verbindet Städte und Kommunen aus zahlreichen Ländern, die sich für altersfreundliche Lebensbedingungen einsetzen. Der Austausch soll dazu beitragen, voneinander zu lernen, geeignete Ansätze weiterzuentwickeln und Erfahrungen aus der kommunalen Praxis zugänglich zu machen. Entscheidend ist dabei, die Bedürfnisse älterer Menschen kontinuierlich zu ermitteln und sie an der Gestaltung ihres Lebensumfeldes zu beteiligen.

Kiel: Teilhabe und Unterstützung im Stadtteil

Die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins engagiert sich bereits seit einigen Jahrzehnten für die Lebensqualität älterer Menschen. Um Bedarfe zu ermitteln und Angebote weiterzuentwickeln, erstellt die Stadt regelmäßig Einschätzungen zur Infrastruktur und zur Versorgungssituation. Eine wichtige Rolle spielt der Seniorenbeirat, der die Interessen älterer Menschen gegenüber Politik und Verwaltung vertritt. Auch die Kieler Pflegekonferenz dient als Plattform für die Vernetzung relevanter Akteur:innen (WHO o.J.a).

Mit den Anlaufstellen Nachbarschaft (anna) verfügt Kiel zudem in allen Stadtteilen über wohnortnahe Beratung – z.B. hinsichtlich Unterstützung im Alltag – aber auch Möglichkeiten zum Austausch. Ergänzend werden nachbarschaftliche Netzwerke (anna-netzwerk) aufgebaut, die insbesondere den Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand begleiten und nachbarschaftliche Zusammenarbeit sowie bürgerschaftliches Engagement stärken sollen (WHO o.J.a).

Weitere Angebote umfassen präventive Hausbesuche (Kieler Hausbesuch) sowie die Förderung von Projekten zu sozialem Zusammenhalt, Inklusion, generationenübergreifender Arbeit und der Teilhabe von Menschen mit Demenz. Im Rahmen der Mitgliedschaft möchte Kiel die Beteiligung älterer Menschen an den Planungsprozessen weiter stärken und künftig auch Sorgende Gemeinschaften stärker in den Blick nehmen (WHO o.J.a).

Oldenburg: Altersfreundlichkeit strategisch weiterentwickeln

Auch Oldenburg beschäftigt sich bereits seit 2012 systematisch mit der Entwicklung einer altersfreundlichen Stadt. Grundlage ist das Konzept der WHO, das verschiedene Lebensbereiche wie soziale Teilhabe, Wohnen, Mobilität, Gesundheit und die kommunale Gestaltung umfasst (WHO o.J.b).

Mit der 2025 einstimmig beschlossenen Agenda „Selbstbestimmt und mittendrin!“ hat der Rat der Stadt einen umfassenden Handlungsplan verabschiedet. Dieser bündelt Maßnahmen in vier Bereichen: soziale Teilhabe, Gesundheit und Pflege, Wohnen und Mobilität sowie Steuerung und Koordination. Zu den bestehenden Angeboten gehören die Senioren- und Pflegestützpunkte, dezentrale Unterstützungsprojekte in den Stadtteilen und Initiativen zur Förderung digitaler Kompetenzen. Auch barrierefreies Wohnen, generationenübergreifende Wohnprojekte und eine zugängliche Mobilität sind Bestandteile der kommunalen Aktivitäten.

Eine wichtige Grundlage für die weitere Planung bildet die Zusammenarbeit der Stadt mit der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Im gemeinsamen Projekt „Altersfreundliches Oldenburg“ wurde ein Fragebogen zur Erfassung der Altersfreundlichkeit an die örtlichen Gegebenheiten angepasst und ins Deutsche übertragen. Mehr als 900 ältere Menschen beteiligten sich 2024 an einer Befragung. Die Ergebnisse sollen helfen, unterschiedliche Lebenslagen und Bedarfe bei der Stadtentwicklung stärker zu berücksichtigen (Grenz 2024: 6).

Mit dem Eintritt zum WHO-Netzwerk möchte Oldenburg seine bisherigen Aktivitäten weiterentwickeln und den internationalen Erfahrungsaustausch nutzen. Zudem sollen die Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger:innen durch ein dauerhaftes „Forum altersgerechtes Oldenburg“ gestärkt werden.

Links und weiterführende Informationen:

Literaturhinweise:

  • Grenz, A., 2024: Projektbericht. Altersfreundliches Oldenburg. URL: [https://extranet.who.int/agefriendlyworld/wp-content/uploads/2026/05/Bericht_Altersfreundlichkeit_Oldenburg_2024.pdf]. Zuletzt aufgerufen am 19.10.2026.
  • WHO o.J.a: City of Kiel. WHO Global Network. URL: [https://extranet.who.int/agefriendlyworld/network/city-of-kiel/]. Zuletzt aufgerufen am 19.10.2026.
  • WHO o.J.b: City of Oldenburg. WHO Global Network. URL: [https://extranet.who.int/agefriendlyworld/network/oldenburg/]. Zuletzt aufgerufen am 19.10.2026.

Quelle Beitragsbild: © vorDa von Getty Images Signature über Canva.

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